Findet Moskau einen Bundesgenossen im Islam?

Von Azio de Franciscis

Im vergangenen Jahr erschien in London ein Bericht protestantischer Missionsgesellschaften, der in alarmierendem Ton auf den Vormarsch des Islam in West- und Zentralafrika hinwies und die hintergründige antiwestliche Zielsetzung dieser Glaubensoffensive aufdeckte. Die in Rom eingehenden Nachrichten katholischer Missionare bestätigen nicht nur diese Entwicklung, sondern geben ein noch dramatischeres Bild von dem kalten Religionskrieg, der die nationalistischen Bewegungen in Afrika und Asien begleitet.

An der Piazza di Spagna in Rom befindet sich die Zentrale der katholischen Mission, nämlich die Kongregation "De Propaganda Fide", mit anderen Worten: das Kirchenministerium zur Verbreitung des Glaubens. Dort laufen die Meldungen aus allen Missionsgebieten der Welt zusammen. Die Berichte der Propaganda Fide machen den Ernst der Lage deutlich. Nicht nur der Islam ist im Vordringen begriffen, sondern auch die Hindu-Religion und der Buddhismus versuchen, das in Indien, Burma, Ceylon, Indonesien und in andere asiatische Länder eingeführte Christentum – gleich welcher Konfession – durch Schikanen und organisierten Boykott zumindest einzuengen. Die politischen Ambitionen der erwachten farbigen Völker haben unverkennbar auch eine religiöse Wurzel.

Nasser gegen Christus

Fast überall werden die christlichen Missionare, die einst im Gefolge der weißen Eroberer ins Land kamen, doch längst nicht mehr Vertreter der Politik ihres Heimatlandes sind, als die Nachhut des imperialistischen Kolonialismus bezeichnet und angegriffen. Man weist sie aus, verweigert Geistlichen die Einreisegenehmigung und setzt die Eingeborenen christlichen Glaubens unter schweren Druck. Nasser setzt den Kopten in Ägypten, die zu den Überresten des christlichen Orient zählen, hart zu und bereitet den von Europäern geleiteten Missionsschulen enorme Schwierigkeiten.

Die arabische Universität Al Azhar in Kairo bildet Hunderte von Negerstudenten kostenlos als Missionare aus. Die Unterrichtung im Islam wird dort mit dem Rassenhaß auf den weißen Mann, den "Kolonialherrn", gekoppelt. In Kairo übernimmt man einfach die modernen Methoden der christlichen Missionen, indem man ein Netz mohammedanischer Schulen und Krankenstationen errichtet. Dieser Feldzug wurde zum Teil von dem verstorbenen Aga Khan finanziert. Schon seit Jahren ist die mohammedanische Mission der aus Pakistan stammenden Ahmadiyya-Bewegung im Gebiet des jüngsten afrikanischen Staates Ghana sehr aktiv. Offensichtlich plant man, den Kampf gegen den "weißen Gott" später langsam von Norden her in die Südafrikanische Union, die Hauptbastion des Christentums im dunklen Kontinent, vorzutragen. Der Ausgang dieses Kampfes wird über die geistige und politische Orientierung des Kontinents entscheiden.