Ein englischer Spezialist, der mitten in einer schon ziemlich weit gediehenen Forschungsarbeit steht, schrieb diesen Artikel (als zweiten in einer Serie von vier) mit der Absicht, die internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der heute wohl gefährlichsten und tückischsten Krankheit zu fördern: Zusammenarbeit, heißt das, nicht nur etwa zwischen englischen und deutschen Forschern, nicht nur zwischen Medizinern und Chemikern, sondern auch zwischen Ärzten und Patienten. Damit wäre den Gesunden wie den Kranken am allerwenigsten gedient: daß der Krebs dauernd als furchtbare Drohung vor Augen stünde und daß er deswegen umgeben würde mit einer Tabu-Zone. Gerade eine solche Tabu-Zone stört oft die noch Immer beste Voraussetzung der Therapie: die Frühdiagnose.

Gibt es einen Schutz, gibt es vorbeugende Maßnahmen gegen den Krebs? Mit jenen Einschränkungen, die uns durch unser heute noch beschränktes Wissen auferlegt sind, darf auf solche Fragen geantwortet werden: Ja.

Wer sich gegen Krebs schützen will, muß vissen, welche Faktoren, welche Lebensbedingungen zu Krebs führen können. Manche davon sind bekannt. Es ist durchaus möglich, die Gewebe unseres Körpers gegen bekannte Krebserreger, mit denen viele Menschen dennoch täglich in Berührung kommen müssen, zu schützen. Wo sich ein Zusammenhang nachweisen läßt zwischen Lebensgewohnheiten eines Volkes und Krebserkrankungen, da heißt es eben die Lebensgewohnheiten ändern.

In vielen Teilen Indiens ist Mund- und 6Ruhenkrebs weit verbreitet. Dabei hat sich zum Beispiel gezeigt, daß Krebsgeschwüre an der Innenseite der Wangen besonders häufig auftraten in einer Gegend, wo die Leute Tabak- und Betel-Blätter kauen und den Brei oft stundenlang mit der Zunge gegen die Wangeninnenseite gepreßt halten. In einer anderen Gegend läßt sich Lippenkrebs damit in Zusammenhang bringen, daß dort ein Gemisch von zerriebenem Tabak und gelöschtem Kalk lange Zeit zwischen Lippen und Zähnen gehalten wird.

Auch Brustkrebs tritt in Indien häufig auf. Die Tatsache, daß er besonders häufig ist unter Paria-Frauen, die nicht selber stillen, will zusammengesehen werden mit der anderen Tatsache, daß es in Japan, wo es die Regel ist, daß Mütter ihre Säuglinge stillen, nur verhältnismäßig wenige Fälle von Brustkrebs gibt. Zahlreiche andere Indizien weisen darauf hin, daß es Krebs erregen kann, wenn den Brustdrüsen ihre natürliche Funktion versagt wird.

Es ist heute allgemein bekannt, daß die körperlichen Funktionen gewisse Mengen von Vitaminen, Proteinen, Kohlehydraten und Fett verlangen. Weniger bekannt ist, daß man des Guten auch zuviel tun kann. Und doch ist nachgewiesen worden, daß Krebsgeschwüre durch geringere Nahrungsaufnahme und Gewichtsreduktion beeinflußt werden können. Spezialstudien haben ergeben, daß mit steigendem Gewicht auch die Anfälligkeit für Krebs steigt.

Andererseits bedeutet auch der Mangel an bestimmten Aufbaustoffen in der Nahrung eine Gefahr. Das zeigt sich bei Völkern, wo diese Stoffe gewohnheitsmäßig nicht in der Nahrung enthalten sind. Die Bantu-Neger zum Beispiel ernähren sich hauptsächlich von Mais und gegorener Milch; im Fernen Osten ist Reis die Hauptnahrung. Mit dem dadurch gegebenen Mangel an Vitaminen und Protein dürfte es zusammenhängen, daß gerade bei den Bantus und in Südostasien Leberkrebs eine so verbreitete Krankheit ist.