Für eine menschlerische Welt" – so heißt das Genauso: menschlerisch. Und weiter: "Den Menschen die gemeinsame Verkündung des Glaubens in die Menschheit zu verkünden, das wird die Aufgabe der Weltbegegnung in Brüssel 1958 sein... Werden die Hallen, die Gärten, die verschiedenen Attraktionsparks der glänzendsten Weltausstellung, die es je gegeben hat, nicht den idealen Rahmen für das Zwiegespräch der Völker bilden? ... Die Völker werden Gelegenheit haben, sich besser kennenzulernen, sich besser zu verstehen und sich mehr zu lieben... Das wird die Aufgabe der Weltausstellung sein: ein Klima der Weltsolidarität zu schaffen. Sie ist eine Garantie für eine neue Allianz ..."

Während auf dem Brüsseler Heysel die Bauten für die Weltausstellung immer höher wachsen, nehmen die Ausstellungspropagandisten den Mund immer mehr voll. Gewiß: "Menschlerisch" – das ist ein Übersetzungs- oder ein Druckfehler, auf jeden Fall ein falscher Zungenschlag. All die anderen Parolen aber, all die Weltverbrüderungsreden – sie sind. Denkfehler, Irrtümer, geradenwegs aus der Requisitenkiste des fortschrittswütigen, blind-optimistischen 19. Jahrhunderts.

Kann man denn wirklich diese mottenzerfressenen Klischees in der Mitte unseres Säkulums noch verantworten? In der Mitte eines Säkulums, als dessen Wahrzeichen eben in Brüssel das Atomium in den Himmel wächst? Kann tatsächlich jemand noch dem naiven Glauben anhängen, ein paar tausend Quadratmeter Ausstellungsfläche, schön "beschickt" von den Nationen dieser Erde, könnten alle politischen Differenzen mir nichts – dir nichts aus der Welt schaffen?

Das hat noch keine der vielen Weltausstellungen geschafft, auch noch keines der Olympischen Spiele. Im Gegenteil: Mehr und mehr arten diese Veranstaltungen zu nationalen, ja nationalistischen Demonstrationen aus. So ist es denn überhaupt recht einfältig, die Differenzen zwischen den Mächten dieser Welt ganz einfach auf "Mißverständnisse" zurückzuführen. Auf Mißverständnisse, die doch so kinderleicht zu beheben seien – dadurch nämlich, daß die Völker einander besser kennenlernten. Es drängt sich dabei ja auch folgende Frage auf: Wäre der zweite Weltkrieg nicht schon einige Jahre früher ausgebrochen, wenn nur die Westmächte Hitlers Deutschland damals bereits, und nicht erst 1939, richtig "gekannt" hätten?

Die Weltausstellung in allen Ehren. Sie hat ihren Sinn – wenn auch nicht den Sinn, den ihr die Prospektschreiber unterlegen wollen. Die Weltgemeinschaft wird aus ihr nicht hervorgehen. Dazu "menschelt" es zu sehr... ts