w.d., Dresden

Unzählige Güterzüge mit Uranerz rollen monatlich aus den Satellitenstaaten nach Sowjetrußland. Sie kommen aus der Tschechoslowakei, vor allen Dingen aus den Joachimsthaler Bergwerken; sie kommen aus den heute unter polnischer Verwaltung stehenden Bezirken Landshut, Waldenburg und Hirschberg in Niederschlesien; sie kommen aber auch aus Mitteldeutschland.

In der Sowjetzone gibt es ausgedehnte Uranvorkommen im Erzgebirge, im südwestlichen Sachsen und im östlichen Thüringen. Nach dem zweiten Weltkrieg übernahmen die Sowjets dort die bereits angelaufene Produktion. Gleichzeitig setzten sie geologische Kommissionen ein, die weitere umfangreiche Vorkommen bei Zwickau, Schneeberg, Aue, Schwarzenberg und Annaberg entdeckten. Die Förderung in diesen Gebieten wird von der Wismut-Aktien-Gesellschaft betrieben, die in der deutschen Nachkriegsgeschichte durch ihren unmenschlichen Einsatz von Zwangsarbeitern berüchtigt geworden ist. Seit sieben Jahren untersteht die Wismut-AG dem sowjetischen Verteidigungsministerium. Ihre Anlagen werden von Besatzungstruppen und Volkspolizisten streng bewacht. Nach wie vor befindet sich die Gesellschaft in sowjetischen Händen, obwohl vor einigen Jahren nominell die Hälfte der Anteile an Pankow übertragen wurde.

Mit der Verbesserung der technischen Einrichtung ist in den letzten Jahren eine Verringerung der Belegschaft in den Uranbergwerken Hand in Hand gegangen. Gut ausgebildete Spezialisten fördern in der Sowjetzone heute rund vier Prozent der Welt-Uranerzeugung. Die SED-Regierung versucht zwar den Anschein zu erwecken, daß der Zwangsexport von Uran für sie ein gutes Geschäft bedeutet. Es ist aber ein offenes Geheimnis, daß die Uranförderung auf sowjetische Rechnung den ostzonalen Staatshaushalt nicht unbeträchtlich belastet. Hinzu kommen in den Förderbezirken noch gewaltige Bergbauschäden, für die die betroffenen Gemeinden keinerlei Entschädigung erhalten. Zur Zeit müssen auf Kosten Pankows fliegende Brigaden eingesetzt werden, um die riesigen Abraumhalden zu beseitigen. Einige Urangruben werden aufgefüllt, um weiteren Erdsenkungen Einhalt zu gebieten.