Die Affäre Strack, wie sie oft fälschlich genannt wird – sie ist in Wirklichkeit eine Affäre seiner Widersacher – wird nun auch im Ausland aufmerksam beobachtet. Es sind immerhin zwei in Paris amtierende Botschafter – von Maltzan und Blankenborn – in sie verwickelt, und man fragt sich, wie lange noch diese peinliche Sache in der Schwebe bleiben soll. Wie man hört, ist der Bundesaußenminister heute, gewillt, das gerichtliche Verfahren seinen Gang nehmen zu lassen.

Es geht, kurz gesagt, um folgendes: Ministerialrat Dr. Strack, der früher zum Auswärtigen Amt gehörte und seit mehreren Jahren im Bundeswirtschaftsministerium arbeitet, ist vor etwa vier Jahren das Ziel von Anschuldigungen gewesen, die seine Stellung als Leiter von Handelsvertragsverhandlungen mit Ländern des Nahen Ostens erschütterten. Diese Vorwürfe kamen aus Kreisen des Auswärtigen Amtes. Strack – so hieß es – sei der türkischen Regierung als Verhandlungsleiter nicht erwünscht. Strack wurde daraufhin abberufen, ohne daß Beweise für jene Anschuldigung erbracht werden konnten. Der deutsche Botschafter in Ankara wußte jedenfalls nichts von mißfälligen Äußerungen türkischer Regierungsvertreter über Dr. Strack. Ferner wurden Strack enge Beziehungen zu dem von hohen Bonner Regierungsstellen des Landesverrats bezichtigten Außenhandelsberater Hertslet vorgeworfen und schließlich flüsterte man davon, er habe sich von einer ägyptischen Firma bestechen lassen.

Professor Erhard als Stracks Dienstherr, forderte Beweise für jene Anschuldigungen – vom Auswärtigen Amt. Er erhielt sie nicht. Da erstattete Strack schließlich Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Beleidigung und leichtfertiger falscher Anschuldigungen.

Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen begannen und führten dazu, daß das Verfahren gegen. die beiden Botschafter von Maltzan und Blankenhorn, ferner gegen Botschafter Allardt (Djakarta) und gegen Staatssekretär Hallstein eröffnet wurden. In diesem Augenblick wurde bekannt, es sei Strack ein Botschafterposten angeboten worden, allerdings unter der Bedingung, daß er vorher seinen Strafantrag zurückzöge. Strack hingegen fand nicht, daß ein solches Kompensationsgeschäft eine für ihn annehmbare Erledigung dieser Ehrenaffäre sei.

Vermutlich hätte man die Angelegenheit durch ein rechtzeitiges honoriges Arrangement mit dem in seiner Ehre verletzten Ministerialrat Dr. Strack bereits vor Jahren aus der Welt schaffen können. Nun ist es zu einer solchen Lösung wohl zu spät. Vielleicht – ja wir möchten sagen: hoffentlich! – bringt die gerichtliche Klärung es an den Tag, daß die Schuld der beiden Botschafter und der anderen in den Fall verwickelten Persönlichkeiten geringer ist, als es heute den Anschein hat. Daß sich Maltzan und Blankenhorn jedoch einer gewissen Schuld selbst bewußt sind, geht daraus hervor, daß sie zur Abgabe von Ehrenerklärungen für Strack bereit sind und daß sie dem gerichtlichen Verfahren, durch. Amnestieanträge auszuweichen suchten, was man doch nur dann tut, wenn man einem Prozeß nicht ohne Besorgnis entgegensehen muß. Robert Strobel