Der Endspurt der Internationalen Bauausstellung und der Interbau-Industrie-Ausstellung, die am kommenden Sonntag geschlossen werden, hat zusammen mit der bisher von keiner deutschen Stadt erreichten Zahl von vierzig bedeutungsvollen Tagungen und Kongressen innerhalb eines Monats, mit der Eröffnung der Benjamin Franklin geweihten Kongreßhalle und mit dem Beginn der Berliner Festwochen gezeigt: Berlin erfüllt wieder alle Voraussetzungen, die billigerweise an eine Messe- und Kongreßstadt internationalen Formats gestellt werden können! Der einzige im Augenblick noch bestehende Mangel, und zwar der an ausreichendem erstklassigem Hotelraum, wird schon im nächsten Jahr durch eine Reihe kleiner und mittlerer Häuser und vor allem des Hilton-Hotels behoben sein. Hunderttausende von auswärtigen Besuchern waren überrascht von der großartigen Planung, mit der sich die deutsche Hauptstadt anschickt, wieder ihre Funktionen zu übernehmen.

Die verantwortlichen und maßgebenden Männer und Kräfte der Stadt haben in den letzten Jahren zwar in berechtigtem Selbstbewußtsein gehandelt, in ihren Forderungen aber niemals mehr als das Wiedergewinnen alter Rechte verlangt. Dazu gehört die Anerkennung der Stadt als der Wiege der deutschen Automobil- und Funkausstellungen, die schon vor Jahrzehnten deutsche und ausländische Fachleute und Interessenten auf das Messegelände am Funkturm gezogen haben. Nach der Erweiterung der massiven Hallen auf eine überdachte Fläche von rund 50 000 qm, nach der Errichtung eines repräsentativen Hauptrestaurants und eines Freigeländes, das von Fachleuten nicht nur wegen seines sachlichen Wertes, sondern auch wegen seiner unvergleichlich schönen Lage gerühmt wird, gibt es eigentlich keinen plausiblen Grund mehr, warum diese Ausstellungen nicht bei nächster Gelegenheit an den Platz zurückkehren sollten, der ihren soliden Ruf begründet hat. Auch das Argument, die Stadt liege verkehrsungünstig, ist nicht mehr stichhaltig, wie die Millionen auswärtiger Besucher dieses Jahres bewiesen haben. Die zuständigen Kreise der westdeutschen Rundfunkindustrie haben angesichts dieser Tatsachen ernsthafte Erwägungen angestellt, ihre nächste Fachausstellung in zwei Jahren wieder nach Berlin zu legen und künftig im Wechsel mit geeigneten westdeutschen Plätzen wie Frankfurt und Düsseldorf zu wiederholen. Da über das Schicksal solcher Veranstaltungen nicht von heute auf morgen entschieden wird, sollten sich auch andere messefreudige Kreise rechtzeitig mit ähnlichen Gedanken befassen. Berlin erwartet hier keine Opfer und Almosen, sondern von seinen deutschen Mitbürgern die gleiche Anerkennung, die ihm selbst sowjetische Fachleute nicht vorenthalten. Und solange die Spaltung Deutschlands noch bestritt, sind solche Veranstaltungen im freien Teil der Stadt für 17 Millionen Landsleute ein nicht hoch genug einzuschätzender Vertrauensbeweis. gns.