Nach Überwindung des Quartalultimos, der sich in der Vorwoche in einer starken Zurückhaltung des berufsmäßigen Börsenhandels und der Bankenkundschaft auswirkte, kam es am Wochenbeginn wieder zu einer vermehrten Anlagetätigkeit. Die aus dem Zinstermin vom 1. Oktober freiwerdenden Gelder sind – wie üblich – zum weitaus größten Teil wieder in festverzinslichen Werten angelegt worden, aber einige Beträge flössen auch in den Aktienmarkt, wo dann prompt eine Kurserholung eintrat. Insgesamt war die Aktientendenz uneinheitlich – beeinflußt durch die Ausländer, die teilweise Geld abzogen oder aber Aktienerlöse benutzten, um hochverzinsliche Industrieobligationen zu erwerben. Die günstige Marktsituation für festverzinsliche Wertpapiere wird jetzt von weiteren Emittenten ausgenutzt werden. So hat jetzt die Hamburgische Electricitäts-Werke AG eine 40-Mill.-DM-Anleihe zu 7,5 v. H. mit einem Ausgabekurs von 96 v. H. aufgelegt, die aber inzwischen bereits ausverkauft ist. Mit ähnlichen Emissionen werden andere Gesellschaften folgen. Nach vorliegenden Informationen ist mit der ersten Tranche einer neuen Bundespostanleihe (50 Mill. DM) Ende Oktober/Anfang November zu rechnen.

Am Aktienmarkt litten die "internationalen Papiere" zeitweilig unter dem teilweisen Abbau der spekulativen Auslandsengagements. Es ist verständlich, wenn die inländischen Anleger die niedrigen Kurse zu Anlagekäufen ausnutzten. Nicht zu übersehen war hierbei die Tätigkeit der Investment-Gesellschaften, die in diesen Wochen einen regen Verkauf ihrer Zertifikate melden konnten. Der Fortfall der Kapitalertragssteuer bei Ausschüttungen an die Fonds scheint sich als ein guter Anreiz zu erweisen. – Die Lohn/Preisdiskussion blieb auf die Aktien bislang ohne Auswirkung. Man ist sich darüber im klaren, daß die Mehrerlöse bei der Kohle keinesfalls für Dividendenaufbesserungen Verwendung finden werden. Wenn dennoch mit höheren Ausschüttungen bei den Bergwerksgesellschaften gerechnet werden kann, dann liegt es allein daran, daß die Bergwerksgesellschaften jetzt endlich darangehen müssen, den Dividendenverzicht zu mildern, der bislang den Aktionären zugemutet wurde, um die notwendigen Investitionen finanzieren zu können. Auch die Bergwerke werden in absehbarer Zeit ihre Eigenkapitalbasis zu verbreitern haben, aber das geht nur, wenn sie auch tatsächlich emissionsfähig sind. Es ist indessen falsch, an die Kohle Preiserhöhungen im Hinblick auf künftige Dividenden übertriebene Erwartungen zu knüpfen.

Vernachlässigt lagen zeitweilig die Mannesmann-Aktien, die von der Rendite her gesehen noch immer die attraktivsten Papiere des Montanmarktes sind. Die vorübergehende Schwäche scheint vorwiegend markttechnische Gründe zu haben. Vor etwas über drei Monaten wurden die jungen Mannesmann-Aktien zu sehr niedrigen Kursen (142–143 v. M.) eingeführt. Inzwischen sind sie auf 164 (Höchstkurs 172 v. H.) gestiegen. Da die Dreimonatsfrist nunmehr verstrichen ist, kann der eingetretene Kursgewinn steuerfrei vereinnahmt werden. Von dieser Gelegenheit wird jetzt Gebrauch gemacht. Die jungen Mannesmann-Aktien dürften inzwischen echt placiert sein. Das gilt übrigens auch für das Rheinstahl-Material, so daß hier ebenfalls einer langsamen Aufwärtsbewegung nichts mehr im Wege stehen dürfte. Potente Käufer finden seit einiger Zeit die Dortmund-Hörder-Aktien. Thyssen – so sagt man in Börsenkreisen – soll eine Anleihe planen. Dank der modernen Anlagen (günstige Produktionskosten) wird das Unternehmen als aussichtsreich beurteilt.

Bei den Großbankaktien waren die Schwankungen relativ gering. Als interessante Papiere erwiesen sich wieder die Aktien der Dt.-Asiatischen Bank, die nach Abschluß des Chinaabkommens von 204 1/2 bis auf 220 v. H. anzogen. Offenbar rechnet man damit, daß das Geschäft der Bank nicht unerheblich von den neuen Abmachungen profitieren wird. Anhaltende Käufe verzeichneten die Reichsbank-Anteile. Sie kamen bis auf 83 v. H. Hier spielen Erwartungen auf eine bessere Abfindung eine Rolle, als sie bisher von der Bundesregierung in Aussicht genommen war. -ndt