DIE ZEIT

Die Ost-Mauer soll bröckeln

Nicht nur innen-, sondern auch außenpolitisch hat sich der deutsche Wähler am 15. September zur Stabilität bekannt. Auf dem Felde der internationalen Beziehungen will er von „Experimenten“ so wenig wissen wie auf dem der wirtschaftlichen Ordnung.

Wozu Zweitminister?

Jedesmal wenn nach den Wahlen über die Bildung der Bundesregierung verhandelt wurde, ist auch die Frage der Bestellung von Parlamentarischen Staatssekretären erörtert worden, obwohl sich noch keiner der Abgeordneten, von denen die Anregung immer wieder ausgegangen ist, die Mühe gemacht hat, Stellung und Kompetenzen eines solchen Staatssekretärs darzustellen.

Pariser Krise Nr. 22

Die 22. Regierungskrise der Vierten Republik zeichnet sich dadurch aus, daß sie sich an einem Phantom entzündete: an dem „Rahmengesetz“ für Algerien, für das die Regierung Bourges – Maunoury keine Mehrheit erhalten konnte.

ZEITSPIEGEL

Anton Slonimski, Vorsitzender des Polnischen Schriftstellerverbandes, hat mit mehr als 60 Schriftstellern aus 23 Ländern während der Internationalen PEN-Tagung in Tokio einen Protest gegen „die Verfolgung und Einkerkerung unserer ungarischen Kollegen“ unterzeichnet.

Preisträger von Frankfurt

Zum achtenmal wird am Sonntag der Friedenspreisdesdeutschen Buchhandels verliehen. Bisher haben ihn empfangen: 1950 Max Tau, 1951 Albert Schweitzer, 1952 Romano Guardini, 1953 Martin Buber, 1954 C.

Trick-Spielereien

Daß die Geschlagenen des 15. September sich geschworen haben, im nächsten Jahr bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern ihre Scharte wieder auszuwetzen, kann ihnen niemand verdenken.

Dunkle Ecken im goldenen Westen

Es könnte ein Bahnhof sein, nur die Geleise fehlen. Es könnte eine Kirche sein; aber man vermißt Glocken und Turm. Es ist schließlich ein Festsaal, Stadthalle genannt, und er stammt aus den Gründerjahren, wie die Fassade erkennen läßt.

Die Jünger Loyolas tagen in Rom

Don Iñigo Lopez de Recalde, der spanische Ritter, der vor mehr als 400 Jahren den Namen Ignatius von Loyola annahm und die Compania de Jesus gründete, forderte von seinen Ordensbrüdern: „Ihr müßt euch zu absolutem Gehorsam gegenüber dem Oberen, der als ein Stellvertreter Christi anzusehen ist, verpflichten.

Georg August I. ante portas

Wie lautet das Programm der hessischen SPDfür die nächsten vier Jahre? Etwa so: „Im ‚roten Hessen‘ muß der Widerstand gegen das bundesdeutsche CDU-Regime organisiert werden; von hier aus wird die Sozialdemokratie neue Impulse gewinnen und den Kampf mit der Trägheit der Wählermassen aufnehmen.

Brandt nominiert

Willy Brandt, der vor zweieinhalb Jahren den Präsidentensitz des Berliner Abgeordnetenhauses von Otto Suhr übernommen hat, folgt ihm nun auch auf dem Posten des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.

Mecklenburg: Unerwünschte „Miss Catastrophe“

Die von der SED vereitelte Vorführung des amerikanischen Importfilms „Miss Catastrophe“ in Mecklenburg hat zu einer Pressefehde zwischen dem Ost-CDU-Organ „Der Demokrat“ und der kommunistischen Ostsee-Zeitung“ geführt.

Hamburg: Das Taschenmesser wurde sein Unglück

Was ist mit einem zwölf jährigen Jungen zu tun, der für die allgemeine Volksschule ungeeignet, – weil „gemeingefährlich“ und „asozial“ – ist, für Erziehungsheime und für Sonderschulen aber „zu normal“? Dieses Rätsel muß die Hamburger Schulbehörde lösen.

Niedersachsen: Schnelle Erledigung

Zu Ihrem Artikel „Regierungsrat Kloppmann lehnt ab“ in der ZEIT vom 26. September erlaube ich mir, Ihnen mitzuteilen, daß ich auf den Einspruch der Antragstellerin vom 16.

Japan dankt Diesel

Ab Sonntag können die Augsburger in einemoriginal- japanischen Hain lustwandeln: an diesem Tage übergibt der japanische Großindustrielle und Millionär Magokischi Yamaoka den Rudolf – Diesel – Hain den Behörden der Stadt Augsburg.

Adoptivsöhne für drei Tage

Wie viele Soldaten aus Ihrer Einheit sind nach Hamburg gekommen?“ fragte ich einen der siebenundsiebzig amerikanischen Soldaten, die während der Amerika-Tage für drei Tage Gäste in Hamburger Familien sein sollten.

Nur ein Päckchen

Da packt in Westberlin eine Mutter für ihren Sohn, der in der Bundesrepublik lebt, ein Geburtstagspäckchen. Inhalt: ein selbstgebackener Kuchen, eigenhändig gestrickte Wollsocken, Taschentücher und – eine halbe Flasche Weinbrand.

Bayern: Bayerisch-barock mit Maßkrug und Brathendl

GK, München Zwölf Böllerschüsse gaben das Signal. Fernseh- und Wochenschauleute hatten das erste Bierfaß, Banzen genannt, ins rechte Licht gerückt, Münchens populärer Oberbürgermeister Thomas Wimmer ergriff Schlag zwölf Uhr den Holzschlegel und zapfte (meisterlich) an.

Wie erkennt man Krebs?

In dem Augenblick, wo wir diesen dritten Teil unserer Krebs-Serie zur Druckerei geben, kommt aus England die schöne Nachricht, daß dort, der Artikel unseres englischen Spezialisten schon die erfreulichsten Folgen gehabt hat.

Not amused

Das Metier unserer Theaterkritiker ist es, Theater als Theater zu sehen und zu beurteilen...................................

Gründgens als Komödiant

Was man im Theater „einen großen Abend“ nennt, das hatte am letzten Sonntag das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg zu verzeichnen.

Ich habe keinen Vegorator

Selbst die Gußhubers besitzen nun schon einen Vegorator. Nur ich habe noch keinen. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich bei einem Verfolgungswettrennen den Anschluß verpaßt, und zwar gleich nach dem Start.

ZEITMOSAIK

Alle Vorschriften mache man sich zu eigen nach ihrem Sinne und übe sie stets aus, daß sie zur Gewohnheit werden. Das Steife muß verschwinden und die Regel nur die geheime Grundlinie des lebendigen Handelns werden.

Künstler oder Minister?

Die lebhaften, zum Teil scharfen Auseinandersetzungen um die Form der deutschen Briefmarken sind in ein neues Stadium getreten.

Nr. 40 vom 2. Oktober 1947: Berlin, Ku’damm 47

Der Reichtum ist verjagt. In den Wracks der Häuser sind gelegentlich Läden eingerichtet. Parfümerien, Blumengeschäfte. Ein Laden nennt sich Raumkunst, man sieht in den Schaufenstern, sorgfältig und geschmackvoll angeordnet, Schachteln, Lampenschirme, auch Armbänder.

Du und Deine Welt 1957

Eine Arbeitsgemeinschaft, in der zweiunddreißig Hamburger Frauenorganisationen zusammengefaßt sind, veranstaltet gemeinsam mit dem Ausstellungspark Planten un Blomen zum zweitenmal die Frauenausstellung Du und Deine Welt.

Seller-Teller: Sept. 1957

Wie in der ersten Nummer jedes Monats, so finden Sie auch heute jene Zusammenstellung der fünf Bücher, die in führenden Buchhandlungen der Großstädte des Bundesgebietes während der vergangenen Wochen am besten verkauft wurden.

Auf den ersten Blick gesehen Eine Bücherauswahl

Je hoffnungsloser dieses Unternehmen wird, desto wichtiger wird es. Das gemeinte Unternehmen ist die folgende Zusammenstellung von Büchern, wie sie – auf den ersten Blick gesehen – jährlich zweimal von der literarischen Redaktion der ZEIT versucht wird.

„Habari gani Afrika“

Die unerschöpflichen Möglichkeiten, die heute dem schwarzen Erdteil so große Anziehungskraft verleihen, drückt sich unter anderem auch in der Fülle der Aspekte aus, unter denen die moderne Afrika-Publizistik sich präsentiert.

Vom Selbstruin der Germanenwelt

Der Verfasser spürt dem Weltgefühl unserer Ahnen, der alten Germanen, nach und geht dessen entscheidenden Zonen auf den Grund.

Als Hemingway noch unbekannt war...

Dies Buch ist ein altes Buch, und daß es erst jetzt zu uns kommt, mag an zwei Dingen liegen: einmal an der langen Interimszeit von 1933–45, in der uns Weltliteratur überhaupt nicht oder nur in kleinen Dosen verabreicht wurde, zum anderen, weil bei einem lebenden Autor immer erst der Ruhm kommen muß und dann die sämtlichen Werke.

Jeder wird einmal Verräter

Nichts ist so fruchtbar und so tröstlich wie die Erfahrung, daß auch in unserem so weithin politisch verhärteten Zeitalter sich wieder einmal ein Mensch mit starkem Herzen findet, um das in den Hintergrund gedrückte Menschliche zu werten.

Späte Entdeckungen

Ein berühmter englischer Autor wird jetzt auch in Deutschland vorgestellt, man kann nicht einmal sagen „endlich“, denn er ist noch nicht lange berühmt: Angus Wilson.

Wege zu Tschechow

Anton Tschechow, der 1904 in Badenweiler starb (also urheberrechtlich vor drei Jahren frei wurde!), ist nicht so leicht zu übersetzen, wie es auf den ersten Blick scheint.

Erlebte Schule

Heinz Stolz amtierte bis vor kurzem als Gymnasialdirektor in der Nähe von Düsseldorf. Er beschreibt, wie er ehedem seine Jahre vor den Pulten absaß, bevor er selber als Lehrer das Pult bestieg.

Getarnte Autobiographie

Ein hartes Schicksal scheint oft über die schöpferischen Menschen verhängt zu sein. Der große Komponist ertaubt, der große Maler bekommt Gichtknoten an den Fingern und muß sich die Pinsel auf dem Handrücken festbinden lassen.

Drei gegen Dreyfus

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts saßen in einem Pariser Restaurant zwei alte Herren beim Mittagessen, die von der Nachwelt zu den Größten der Malerei gezählt werden – Degas und Pissaro.

Ein Kriminalist plaudert nicht aus

Vom Urlaub an der Karibischen See nach Bonn berufen, als Otto John durch den Eisernen Vorhang geschlüpft war, bald danach im geheimnisvollen Tanger überraschend dem Tod erlegen – wer hätte nicht mit Spannung die Memoiren Harry Södermans erwartet.

Die verratenen Söhne

Einen Vorwurf kann man den jungen deutschen Autoren nicht machen: sie haben sich nicht um den Versuch gedrückt, den letzten Krieg dichterisch zu bewältigen.

Flüsternde Schienen

Flüsternde Schienen. Lästig sind die Außengeräusche, der ständige Schienenstoß bei Eisenbahnfahrten. Um das Geratter auf ein Minimum zu reduzieren, haben sich die französischen Eisenbahnen entschlossen, geschweißte Schienen von 800 Meter Länge auf den meistbefahrenen Strecken zu verwenden.

Nur wer die Nachsaison kennt...

„Meeresluft schafft reine Lungen“ und „Sylt – die Wochenendinsel der Hamburger“ sind die Devisen, unter denen die Bundesbahn um die Hälfte verbilligte Wochenendfahrten nachWesterland durchführt.

Notizen für Reisende

Deutscher Bädertag in Bad Wiessee. Der Deutsche Bäderverband veranstaltet den 53. Bädertag in diesem Jahre vom 7. bis 12. Oktober in Bad Wiessee.

Die europäische Festspielwiese

Für den Musikenthusiasten wird es von Jahr zu Jahr schwerer, sich auf der üppig blühenden europäischen Festspielwiese zurechtzufinden.

Erholung statt „Zwangskuren“

Dies ist das vordergründige Gesicht unserer traditionsreichen Heilbäder seit Jahrzehnten: Gepflegte Hotels und Villenpensionen zwischen alten Bäumen und stillen Gärten, gepflegte Kurparks mit roten Kieswegen und exotischen Gewächsen, gepflegte ältere oder alte Damen und Herren, die lustwandelnd der Musik der Kurkapelle lauschen .

Zinsdirigismus?

Das aus den dreißiger Jahren stammende Habenzinsabkommen ist an sich ein Anachronismus. Man will es, seitdem es ein wenig auf die heutige Zeit umfrisiert worden ist, dennoch bis zum Erlaß eines neuen „Kreditwesengesetzes“ beibehalten, weil es sich bewährt hat.

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