Landläufiger Erkundung zufolge ist der Schamanismus eine Zauberreligion untersten Grades: aus Innerasien stammend, okkultistisch gestimmt, mit den Geistern Abgestorbener, mit Teufeln und Dämonen im beschwornen Kontakt, in Tänzen sich erschöpfend, die der Drehwurm hervorgebracht zu haben scheint, mit billigen Wahrsagereien, Trommel-Magie und Ekstaseunternehmungen, um dem lieben Nachbarn die Krankheit auf den Hals zu laden, die man selber gerne loswerden möchte – und so weiter.

Nun tritt ein rumänischer Professor, auf, Emigrant, der in Paris lebt, Publizist, der durch wichtige Bücher bekannt wurde, mit dem Schweizer Psychologen C. G. Jung im Kontakt steht (welcher Mythenforscher tut das heute nicht?) und macht uns mit den Ergebnissen seiner Schamanenforschung bekannt.

Mircea Eliade: "Schamanismus und archaische Ekstasentechnik", übertragen von Inge Köck. Rascher Verlag, Zürich, 472 S., 29,50 DM.

Wir gewinnen hier einen ganz anderen Blick auf diese zu Unrecht als Stiefkind der Religionsforschung behandelte Glaubensform. Nach Eliade ist nämlich der Schamanismus der entartete und ins Populär-Ordinäre abgerutschte Formrest einer hochgeistigen monotheistischen Urkonzeption, deren Fragmente sich über. Indonesien, Ozeanien, Hellas bis nach dem vorgeschichtlichen Amerika hin verfolgen lassen. Es ist hier also etwas Ähnliches vor sich gegangen wie mit dem Buddhismus: seine reinste und ursprünglichste Ausprägung erfuhr ja auch bei vielen asiatischen Völkern später Abwandlungen, die man als überflüssige bild- und zauberfreudige Verzierungen seiner Urabsicht brandmarken könnte, wenn sich nicht wiederum viel Fesselndes und zum Charakteristikum jener Völker Gehöriges darin neu durchgesetzt hätte.

Das Glück will es, daß dieses mit Belegen und Beziehungsnachweisen so reich ausgestattete Buch durch ein anderes zweckdienlich ergänzt wird.

Adolf Friedrich: "Schamanengeschichten aus Sibirien", Otto Wilhelm Barth Verlag, München; 325 S., 17,80 DM.

Die Verantwortlichen sind in diesem Falle die deutschen Professoren und Orientalisten Adolf Friedrich und Georg Buddruss, die kürzlich Krasinskis berühmt gewordenes Buch über tibetische Medizinphilosophie (Origo Verlag, Zürich) einleiteten und mitbetreuten. Wer also auf sozusagen ernste Kurzweil erpicht ist, hat an den Schamanengeschichten ein prachtvolles Zaubermärchenbuch, das überdies realen Erfahrungen abgewonnen wurde. Werner Helwig

Bitte, schenken Sie dem Prospekt der Buchhandlung Ludwig Hase, Frankfurt/M., der einem Teil unserer heutigen Auflage beiliegt, Ihre Aufmerksamkeit.