Die Einstimmigkeit bei der Beschlußfassung anläßlich der diesjährigen oHV der Deutschen Lufthansa AG konnte ebensowenig wie die von Verkehrsminister Dr. Seebohm vor versammeltem Auditorium spontan verteilten Einser-Noten an den AR und den Vorstand darüber hinwegtäuschen, daß der Neuaufbau des Unternehmens "im Windschatten des Bundes", wie es der All-Vorsitzende Dr. Weigelt formulierte, bis zur Stunde mehr im Schatten, denn im Wind unserer Staatsführung erfolgte. Und wenn das Geschäftsjahr 1956, als erstes volles Geschäftsjahr der LH, nicht nur nahezu eine Verdreifachung der Verkehrsleistung gegenüber 1955, sondern auch bereits eine Kostendeckung durch eigene Einnahmen in Höhe von 80 v. H. bescherte, und wenn die für 1957 zu erwartenden Leistungen sozusagen auch die unter den gegebenen Verhältnissen kühnsten Hoffnungen zu übertreffen scheinen, so kann rechtens dieser Ruhm wohl von den Lufthanseaten, die mittlerweile auf 5000 Köpfe angewachsen sind, in Anspruch genommen werden, beileibe aber nicht von der Bundesregierung, deren Luftfahrtkonzept in finanzieller nicht weniger als in politischer Hinsicht bislang weder ausgeprägtes Interesse noch verkehrswirtschaftliche Weitsichtigkeit verriet. (Was im übrigen für die Luftfahrtindustrie des Bundes ebenso gilt!)

Allein gestützt auf die unter schwierigsten Umständen vollbrachten Leistungen konnte diesmal auch der Vorstand aus der Reserve heraustreten und die Position der Gesellschaft auf dem Weltluftverkehrsmarkt umreißen. Es mag für manchen ahnungslosen, aber mit stolzgeschwellter Brust zuhörenden Stimmberechtigten schockierend gewesen sein, zu hören, daß die Lufthansa noch immer "etwas kleiner ist als die Swissair", die ein Viereinhalb-Millionen-Volk repräsentiert, daß sie im ganzen Jahr 1956 mit 229 670 Passagieren nur ein knappes Drittel jener Passagiermenge befördert hat, wie sie von einem einzigen amerikanischen Unternehmen in einem einzigen Monat dieses Jahres befördert wurde. Wohl wird die Lufthansa nach der augenblicklich möglichen Planung 1960 zwar etwa eine Jahresleistung von 300 Mill. Tonnenkilometern erreichen, damit ist aber für die Lufthansa kaum eine wesentliche Platzverbesserung im Weltluftverkehrskonzert verbunden, denn eine ganze Reihe der heute fliegenden Unternehmen wird bereits 1957 eine Kapazität von mehr als 300 Mill. Tonnenkilometern besitzen und dieses Volumen bis 1960 bestimmt verdoppeln, wenn nicht verdreifachen.

Liegt nun darin, daß die Lufthansa (1938 das bedeutendste Luftverkehrsunternehmen der Erde!) bei Fortführung ihres Aufbaues und ihrer Entwicklung im "Windschatten des Bundes" selbst nach vollzogener Konsolidierung des Betriebes so ziemlich an letzter Stelle unter allen anderen westeuropäischen Luftverkehrsunternehmen zu bleiben scheint, das eigentliche Kriterium des Unternehmens, von dem man doch mit gutem Grunde erwartet, daß es ein würdiger und ein gewichtiger Repräsentant der Bundesrepublik in der Welt zu sein habe? Ja und nein. Ja, weil, wie es das Vorstandsmitglied Hans M. Bongers bei der HV klar feststellte, im Luftverkehr ebenso wie im Bodenverkehr keine absolute Wachstumsgrenze denkbar ist und sich für ein Land nie die Bundesrepublik ohne Zweifel die Notwendigkeit ergibt, den Luftverkehr des Landes bis zu einer Größenordnung zu entwickeln, die wenigstens der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung der Bundesrepublik in der Welt entspricht. Und nein, weil die Erfahrung lehrt, daß die Eigengesetzlichkeit des Verkehrs in letzter Konsequenz stets stärker ist als alle ihm unter dem Zwang der Politik oder unter dem Zeichen kurzsichtiger Planung auferlegten Beschränkungen.

Die Lufthansa wird ihren Weg gehen; trotz viel zu geringer Beteiligung der Wirtschaft, des Handels und der Banken an ihrem AK (vielleicht findet der Bund einmal einen Weg, den Aktienerwerb interessant zu gestalten!); trotz der problematischen Einführung des Dritter-Klasse-Dienstes auf dem Nordatlantik (was die LH praktisch zum Einsatz älteren und speziell für den Dritter-Klasse-Dienst geeigneten Fluggerätes zwingen dürfte); trotz akutem Pilotenmangel (im Zeichen der Luftwaffenumrüstungen wird es bald genug arbeitslose Piloten geben!) und trotz einer Konkurrenzierung auf dem Markt, wie sie in diesem Ausmaß nicht einmal von der Seefahrt geboten wird. K. W. St.

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Das Hamburger Zigarrenhaus W. Westrich Nfg. GmbH, besteht jetzt 125 Jahre. Die Familie Hiestrich zählte schon im 18. Jahrhundert zu den eingesessenen Bürgern der Hansestadt Hamburg. 1832 begann das Unternehmen mit dem Import von Havanna-Zigarren, um dann später selbst die Herstellung feiner Zigarren aufzunehmen. Seit langem besitzen die Hamburger Hiestrich-Zigarren einen hohen Qualitätsruf. Das Unternehmen versorgt jetzt im Bundesgebiet den Bedarf an hochwertigen Zigarren über 60 Pfg. zu einem beachtlichen Anteil. Bei einzelnen Preislagen belief sich dieser Anteil 1956 auf ein Drittel und sogar auf fast die Hälfte des westdeutschen Gesamtkonsums.

Das Kunststoffwerk Böhm & Haas GmbH, Darmstadt, unterrichtet in einer graphisch hervorragend gestalteten Broschüre über die ungewöhnlich vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Plexiglas. Das Heft ist nicht nur für Architekten sehr aufschlußreich, auch "Normalverbraucher" – also Unternehmen, Hausbesitzer und selbst Wohnungsinhaber – können aus dieser Broschüre viele Anregungen erhalten.