Ab 4. November können wieder Salamander-Aktien an den westdeutschen Effektenbörsen amtlich notiert werden. Mit der Aufforderung, an ihre Aktionäre zum Umtausch der RM-Aktien in DM-Stücke – die Kapitalumstellung war 1950 im Verhältnis 5:4 von 40 Mill. RM auf 32 Mill. DM beschlossen worden – hat die Salamander AG, Kornwestheim, größte Schuhfabrik im Bundesgebiet, den letzten Schritt hierzu getan. Damit ist – dann einem Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt (1956) rund 233 Mill. DM und einer Produktion von rund 8,25 Mill. Paar Schuhen der Zugang zum Kapitalmarkt wieder möglich gemacht worden, wenn auch die Gesellschaft angesichts ihrer guten Liquiditätslage wohl in absehbarer Zeit keinen Gebrauch davon machen dürfte.

Vor allem aber bedeutet die Aufnahme der Börsennotierung die Wiederherstellung der alten Kreditwürdigkeit und des Vertrauensverhältnisses zu den Aktionären, das wegen des gegen etwa die Hälfte des Aktienkapitals von deren jüdischen Vorbesitzern angestrengten Rückerstattungsverfahrens überschattet war. Es ist daher verständlich, daß sich auch die Firma um eine möglichst baldige und befriedigende Lösung des schwierigen Prozesses bemüht hat. Diese Schwierigkeiten ergaben sich einmal daraus, daß kaum eine Möglichkeit bestand, die neuen Besitzer der 1933 zwangsweise über Banken und Börsen verkauften Anteile festzustellen, und zum anderen, daß die heutigen Aktienbesitzer, die nicht immer mit den Ersterwerbern identisch sind, diese Papiere im guten Glauben und ohne Kenntnis über ihre ursprüngliche Herkunft gekauft hatten. Man kam daher zu einem Vergleich, der im August dieses Jahres endgültig abgeschlossen werden konnte, und wohl eines der langwierigsten und kompliziertesten Restitutionsverfahren nach acht Jahren beendet hat.

Der Geschäftsverlauf der Salamander AG war in diesen Jahren erfreulich gut. Nach Beseitigung der schweren Kriegsschäden konnte bereits 1950 die Tagesleistung über den Vorkriegsstand hinaus erhöht werden. Kennzeichnend für die vorausschauende und abwägende Geschäftspolitik der Gesellschaft ist die Art, wie sie das durch die ständig steigende Nachfrage immer dringender gewordene Problem der Kapazitätserweiterung gelöst hat. Angesichts der vorhandenen ausreichenden Produktionsmöglichkeiten in der westdeutschen Schuhindustrie und wegen des Mangels an Arbeitskräften, vor allem aber wegen der größeren Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit an die jeweilige Konjunktur hält es das Unternehmen für vorteilhafter und unbedenklicher, nicht die Anlagen der eigenen Werke zu vergrößern, sondern sich die Kapazitäten anderer Schuhfabriken durch Kauf oder Lieferverträge zu eigen zu machen.

So hat die Salamander AG Anfang dieses Jahres die Teha-Schuhfabrik GmbH und die Theysohn & Heumach KG, Pirmasens, erworben sowie mit der Schuhfabrik Willi Müller, Waldfischbach, einen Produktionsübernahmevertrag abgeschlossen. Neuerdings ist auch mit der im Mehrheitsbesitz des Bankhauses Lenz, des Großaktionärs der Ada-Ada-Schuhfabriken, befindlichen Schuhfabrik Rovo AG, Speyer, ein Vertrag zustande gekommen, wonach diese Firma in der neuen Saison ausschließlich für Salamander im Lohnverfahrenarbeitet und mit der Zeit auf eine Tagesproduktion von 4000 Paar gebracht werden soll. Damit hofft die Gesellschaft dann ihren Marktanteil behaupten und endlich der Nachfrage gerecht werden zu können, die je Saison die Liefermöglichkeit um rund 100 000 Paar Schuhe übersteigt. Salamander rechnet auch weiterhin mit einer befriedigenden Aufwärtsentwicklung. Diese Erwartungen finden sich bereits im bishergen Ablauf dieses Jahres bestätigt, in dem wohl wieder eine Umsatzsteigerung von gut 10 v. H. erreicht werden dürfte. C. D.