Sowjetzonaler Währungsschnitt: Völlig überraschend hat die Sowjetzonenregierung am vergangenen Sonntag alle umlaufenden Ostmarkbanknoten für ungültig erklärt und den Umtausch in neue Banknoten angeordnet. Jeder Bewohner der Sowjetzone und Ostberlins erhielt bis zu 300 Ostmark umgetauscht. Alle Mehrbeträge wurden den Einzahlern auf ein Sonderkonto gutgeschrieben, über das sie verfügen dürfen, wenn sie nachweisen können, daß die Gelder nicht spekulativer Herkunft sind. Ministerpräsident Grotewohl erklärte, diese Maßnahme sei notwendig gewesen, um den Ostmarkspekulationen der westdeutschen "Monopolisten" und "Militaristen" Einhalt zu gebieten. Westliche Beobachter sprechen dagegen von einem "währungspolitischen Staatsstreich", der in erster Linie dazu diene, die überschüssige Kaufkraft abzuschöpfen und den privaten Geldumlauf unter Kontrolle zu bringen, da die ostzonale Wirtschaft schon seit Jahren unter dem Mißverhältnis von Kaufkraft und Produktion leidet.

Eugen Gerstenmaler, der Nachfolger des 1954 verstorbenen ersten Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers, wird auch im dritten Bundestag wieder den Präsidentenstuhl einnehmen. Auf der Konstituierenden Sitzung des neuen Bundestages stimmten 437 gegen 54 Abgeordnete für sein Verbleiben Im Amt. Ein Gegenkandidat war nicht nominiert worden. Wie sehr es ihm gelang, sich die Achtung und das Vertrauen des Hauses zu erringen, zeigt ein Vergleich mit der Präsidentenwahl von 1954. Damals wurden 204 Stimmen für und 190 gegen ihn abgegeben.

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Schörner verurteilt: Mit der Verurteilung des 65jährigen ehemaligen Generalfeldmarschalls Schörner, der nach einwöchiger Verhandlung vor dem Münchner Schwurgericht wegen vollendeten Totschlags in einem Fall und des versuchten Totschlags in zwei Fällen zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, hat die oft mit Ressentiments geladene Auseinandersetzung um den ehemaligen Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Die Urteilsbegründung führt unter anderem an, daß das Leben des einzelnen auch im Krieg heilig bleiben und gegen "eine sinnlose Vernichtung durch eine Machtansammlung, die sich hinter Schlagworten wie Härte und Durchhalten verschanzt" geschützt werden müsse. In diesem Urteil haben die rechtsstaatlichen Grundsätze – jenseits aller Problematik dieses Einzelfalls – ihren deutlichen Ausdruck gefunden.

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Der Friedensnobelpreis für 1957 Ist dem ehemaligen kanadischen Außenminister Lester Pearson verliehen worden. Gemäß der Satzung der Nobel-Stiftung wird der Preis an Personen verliehen, die "das meiste oder das Beste für die Verbrüderung der Völker" geleistet haben. Dies ist eine sehr abstrakte Formulierung, die nicht vergessen machen darf, daß sich Lester Pearson überaus konkrete Verdienste um die Beilegung der Suez-Krise erworben hat. Die Bildung der UN-Polizeitruppe war seine Idee. Zudem hatte Pearson sich während seiner langjährigen diplomatischen Tätigkeit nachdrücklich für eine enge Zusammenarbeit der atlantischen Partner eingesetzt und später bei der Schaffung der NATO eine entscheidende Rolle gespielt.

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