Seit dem 3. Februar 1945 war das einstmals weltberühmte Berliner „Zeitungsviertel“ in der City durch Bomben ausgelöscht. Nicht nur die großen Zeitungsverlage, sondern über 500 Betriebe des graphischen Gewerbes hatten damit ihre Existenzgrundlage verloren, Unter ihnen befanden sich zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe mit einem spezialisierten Produktionsprogramm. Jedoch ist Westberlin inzwischen mit rund 650 Betrieben und 18 000 Beschäftigten wieder die größte Druckstadt Europas geworden. Aber ein großer Teil dieser Betriebe ist unter ungünstigsten Verhältnissen in ungeeigneten Räumen und mit einem veralteten Maschinenpark untergebracht. Der Anregung einer amerikanischen Studiengruppe folgend, bemühte sich der Wirtschaftsverband des Graphischen Gewerbes seit 1953 um eine Konzentration dieser Betriebe. Mit Unterstützung des ERP-Vermögens und des Senats kann jetzt die „Graphisches Zentrum Berlin AG“ gegründet werden, die nach den Plänen von drei bekannten Berliner Architekten auf dem alten Ullsteingelände ein modernes Druckereizentrum errichten wird.

Das AK der Gesellschaft beträgt zunächst 1 Million DM und stammt von einer privaten Gruppe. Ähnlich wie schon bei dem in diesem Jahr eröffneten neuen Konfektionszentrum am Zoo hat auch hier der Senat alle zu dem Gelände gehörenden Grundstücke erworben und stellt sie unter günstigsten Bedingungen zur Verfügung, bis sie später von der Gesellschaft gekauft werden können. Sie sind mit 2 Mill. DM bewertet. Zur Finanzierung der Baukosten, die auf 19 Mill. DM veranschlagt sind, stellt eine westdeutsche Bankengruppe die erste Hypothek von 6 Mill. DM zur Verfügung. Weitere 3 Millionen DM stammen aus dem ERP-Sondervermögen und werden von der Berliner Industriebank AG im Wege der Eigenkapital-Ersatzfinanzierung eingebracht. Die restlichen 10 Mill. DM werden in Form regulärer Bankkredite gewährt, wobei der Senat durch die Übernahme von Bürgschaften und Sicherheiten Hilfestellung leistet.

Das gesamte Vorhaben, zu dem jetzt der Grundstein gelegt wurde, umfaßt etwa 25 000 qm Betriebsstätten in einem umfangreichen zweigeschossigen Bau mit neuartiger Parkplatzanlage auf dem Doch, 10 000 qm Büroräume in einem zehngeschossigen Hochhaus und 17 000 qm Lagerräume im Keller der Betriebsstätten. Die Bauzeit für das gesamte Objekt, in dem Druckereien der verschiedensten Fachrichtungen, Klischeeanstalten, Maschinensetzereien, Werbeunternehmen, Spezialverlage, Papierhandlungen u. ä. untergebracht werden, ist auf ein Jahr veranschlagt. Ausreichende Anmeldungen von Interessenten, denen Beihilfen für den Umzug und die Anschaffung neuer Maschinen gewährt werden sollen, zur Belegung des gesamten Zentrums liegen bereits vor. G. G.