J. P., Ahrensburg

In dem holsteinischen Städtchen Ahrensburg wohnt ein Photograph, der kann den Bundeskanzler Adenauer nicht leiden. Darum wollte er ihm so richtig eins auswischen. Während der letzten Bundestagswahl photographierte er die CDU-Plakate mit dem Konterfei des Parteichefs, retouchierte sie: ein paar Strähnen diagonal über die Stirn, eine Fliege unter die Nase (auf daß Adenauer wie Hitler wirkte), schnitt die Bilder zu Postkarten zurecht und verkaufte sie an Leute, die dem Bundeskanzler ebenfalls nicht grün waren.

Der CDU-Kreisverband verzichtete gelassen auf einen Strafantrag gegen den damals noch unbekannten Täter. Nicht so die Staatsanwaltschaft. "Im öffentlichen Interesse" leitete sie nach § 187 des Strafgesetzbuchs ein Verfahren ein. Nach diesem Paragraphen wird mit einer Gefängnisstrafe nicht unter drei Monaten bestraft, wer gegen eine im politischen Leben stehende Persönlichkeit öffentlich in einer Versammlung oder durch Vertreiben von Schriften, Schallaufnahmen und Abbildungen eine üble Nachrede begeht, die geeignet ist, deren (also der politischen Persönlichkeit) "öffentliches Wirken erheblich zu erschweren." Ob die Staatsanwaltschaft wohl im Ernst behaupten will, diese geschmacklosen Postkarten eines Kleinstadtphotographen könnten "das öffentliche Wirken" des Bundeskanzlers "erheblich erschweren"?

Es gab einmal einen König, der wurde nicht von allen seinen Untertanen geliebt, und als er einmal durch die Straßen der Hauptstadt ritt, sah er, wie sich die Leute johlend und lachend um eine häßliche Karikatur drängten. Der König betrachtete in aller Ruhe das Blatt, das ihn beleidigen sollte, und rief dann: "Niedriger hängen", damit jeder die Karikatur sehen könne. Darauf schwenkten die Leute ihre Hüte und brüllten: "Vivat, vivat Fridericus!"

Vielleicht wäre es gut, wenn Staatsanwälte außer Paragraphen gelegentlich auch einmal Anekdoten lesen würden.