Den 75jährigen Rudolf Pechel zu würdigen, wissen wir keinen Würdigeren als Bruno E. Werner, den Romancier und kritischen Essayisten, der heute als Botschaftsrat an der deutschen Botschaft in den Vereinigten Staaten wirkt.

Washington, Ende Oktober

Es sind über 30 Jahre her, als ich in Berlin Rudolf Pechel zum ersten Male begegnete. Um ihn war damals bereits der Nimbus des Herausgebers der "Deutschen Rundschau", eines politischen Kopfes und eines streitbaren Kämpfers. Jemand sagte: "Alter Seeoffizier...". Es war in einer Berliner Weinstube, wo sich an einem Tisch Schriftsteller, Gelehrte, Politiker und Künstler trafen in jener eigentümlichen Mischung von Gegensätzlichkeiten, die man nur in Berlin fand.

Wir traten dem Dr. Pechel zunächst mit jener Haltung junger Menschen entgegen, die tiefes Mißtrauen durch betonte respektvolle Höflichkeit verdecken. Aber dann kam er auf den Jüngeren zu mit einer solchen ausstrahlenden Herzlichkeit, mit einer solchen Bemühtheit und Offenheit, mit freundlichen Augen, aus denen Ironie blitzte, so daß sofort das Mißtrauen schwand, der Respekt aber blieb.

Der Kunsthistoriker Franz Dülberg machte damals ein Anagramm aus Rudolf Pecheis Namen: Leulochpferd. Ich muß gestehen, daß ich seither dieses Tier nicht nur mit dem Namen Pecheis verbinde, sondern sogar umrißhaft vor mir sehe. Es ist eines jener munter daher trabenden gepanzerten, mit Schabracken aufgezäumten Tournierpferde, auf denen die Ritter in den Kampf ziehen. Denn das Streitbar-Ritterliche ist mit diesem Mann eng verbunden. In einem bestimmten Sinne ist Rudolf Pechel – vor dem Politiker, vor dem Schriftsteller – einer der letzten Ritter in unserer Zeit, und zwar – wie es eben zu dieser Gestalt gehört – ausgerüstet auch. mit den Zügen des Edlen von der Mancha.

Wollte man den Fünfundsiebzigjährigen feiern, so müßte man auf sein politisches Wirken hinweisen. Man müßte das Porträt des Mannes zeichnen, der die "Deutsche Rundschau" seit bald einem halben Jahrhundert leitet und diese Zeitschrift in den zwanziger Jahren zu einem "Treffpunkt" jener machte, die von Hofmannsthals Gedanken einer "konservativen Revolution" ausgehend, später zu neuen, sehr verschiedenen Erfahrungen kamen, die sich aber alle einig blieben in der Ablehnung des Nationalsozialismus; aber man müßte auch den Mann zeichnen, der die Schiffskasse der "Deutschen Rundschau" allen Zeitläuften und Prognosen zum Trotz durch trockene Flußbetten und über die Korallenriffe des Bargeldmangels immer weiter geschleppt hat, bis der gesamte Kahn wieder mit flatterndem Segel durchs Meer fuhr – wie heute; man müßte den Chefredakteur und Publizisten, den Schriftsteller R. P., den ersten Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, würdigen – kurz, man müßte einen abenteuerlichen Stoff wie für eine Dissertation zusammentragen.