Langsam wird es jetzt Ernst mit dem längst überfälligen Erhöhen der Bundesbahn-Tarife. Der von der Hauptverwaltung der Bundesbahn gestellte Antrag ist mit den übrigen Verkehrsträgern, den Ländern, der Wirtschaft und den Gewerkschaften bereits eingehend beraten worden; jetzt wird der Termin des Inkrafttretens nur noch von dem mehr oder weniger zügigen Lauf des Antrages durch die Serie der beteiligten politischen Stellen, u. a. dem "Preisrat" und der Verwaltung, bestimmt.

Über die Notwendigkeit der angestrebten Tariferhöhung war sich Bonn mit den Länderregierungen seit langem einig – ebenso darüber, daß die Änderungen möglichst bald wirksam werden sollen. Natürlich tauchten bei der Diskussion des Bundesbahn-Antrages viele spezielle Wünsche auf. Diese aber können durchweg wohl erst bei einer künftigen grundlegenden Tarif reform berücksichtigt werden. Der jetzt vorgesehene Umbau des "Tarifsockels" ist nur ein erstes Angleichen der Tarife an die Strukturwandlungen des Verkehrs, ihm muß später eine weitgehende Reform der Bundesbahntarife folgen.

Im Bundesverkehrsministerium wurde erklärt, daß die neuen Tarife erst in drei bis vier Monaten wirksam werden könnten. So Wäre also die Bundesbahn gezwungen, noch eine geraume Zeit des Jahres 1958 zu den alten Tarifen zu fahren. Sollte dabei aber nicht berücksichtigt werden, daß sich jeden Tag, um den die Tariferhöhung der Bundesbahn hinausgeschoben wird, das Defizit der Schiene um 2 Mill. DM erhöht? Auch abrechnungstechnisch wäre es die einfachste Lösung, wenn die neuen Tarife bereits ab 1. Januar in Kraft treten würden.

In diesem Zusammenhang muß erneut daran erinnert werden, daß unsere Bahn ihr Defizit aus rein politischen Gründen mitschleppt. Mit Rücksicht auf die Bundestagswahlen wurde der Termin für die Vorlage des Antrages zur Tariferhöhung verschoben. Und als der Antrag dann endlich gestellt war, blieb er – wieder mit Rücksicht auf die Wahlen – liegen. So gingen kostbare Wochen verloren, ehe das Verfahren in Gang kam. Die Bahn hat also auch hier wieder eine Vorleistung erbracht und nun wohl allen Anspruch darauf, daß die zuständigen Organe sich jetzt intensiv mit der Frage der Tariferhöhungen beschäftigen, damit die erforderlichen Formalitäten zumindest bis zum Jahresende bewältigt sind, die neuen Tarife also am 1. Januar 1958 in Kraft treten können. P./W.