Als Reichsbank-Anteilseigner erlaube ich mir die Frage, was aus den wertvollen Gebäuden der ehemaligen Reichsbank im Bereich der Bundesrepublik geworden ist? Ich hörte, daß der Reichsbanktreuhänder diese noch in der RM-Zeit veräußert hat. Stimmt das? Wenn ja, was soll man zu einem Treuhänder sagen, der solche Wertobjekte gegen praktisch wertloses Geld verschleudert hat? I. P., Hamburg

Antwort: Die Grundstücke,der Reichsbank sind durch Anordnung der Militärregierung auf die Landeszentralbanken übertragen worden. Das können Sie aus der Verordnung Nr. 132 der Britischen Militärregierung vom 14. Februar 1948 ersehen. In den beiden anderen ehemaligen Besatzungszonen wurde ähnlich gehandelt. Die seinerzeit von den Alliierten eingesetzten Zonen- bzw. Ländertreuhänder haben diese Vermögensübertragungen vorgenommen, die im Einklang mit den alliierten Anordnungen standen. Der derzeitige Reichsbanktreuhänder ist erst durch ein Bundesgesetz im August 1954 eingesetzt worden und kann für die in der Vergangenheit getroffenen Maßnahmen nicht verantwortlich gemacht werden. In dem D-Mark-Status der Treuhandmasse der Reichsbank vom 30. Juni 1956 sind außer dem Berliner Grundbesitz, der mit 8,8 Mill. DM ausgewiesen ist, keine weiteren Grundstücke mehr enthalten. Diese werden bei den Landeszentralbanken bzw. bei der jetzigen Bundesbank geführt. In den Auseinandersetzungen über die Reichsbank-Umstellung geht es u. a. auch um den Wert der damals zwangsübertragenen Reichsbank-Grundstücke. In der von der Bundesregierung aufgemachten Umstellungsrechnung wird der Wert dieses Grundbesitzes sehr niedrig angesetzt, jedenfalls weit unter seinem tatsächlichen Wert.

Hier scheint allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen zu sein. Eine Klage, die eine gerechte Umstellung der Reichsbank-Anteile herbeiführen soll, wird vorbereitet. Auch die Ausländer, die sich im Falle der Deutschen Golddiskontbank, die – wie Sie sicher wissen – mit der Reichsbank eng zusammenhängt, ungerechtfertigt behandelt fühlen, haben in der Schweiz bereits den Rechtsweg beschritten. Wenngleich über den Ausgang dieser Rechtsauseinandersetzung natürlich heute noch nichts gesagt werden kann, so sind die Kurse der Reichsbank-Anteile in letzter Zeit merklich gestiegen. Die Käufer hatten aber Hoffnungen- auf einen etwaigen günstigen Ausgang des angedrohten Reichsbank-Prozesses offensichtlich nicht im Auge; sie glauben vielmehr, daß die neue Bundesregierung, die für eine energische Sparförderung eintritt, bereit sein wird, "Sünden der Vergangenheit" durch einen fairen Kompromiß, auch im Falle der Dego und der Reichsbank, zu beseitigen.