Er war für schuldig befunden worden." So stampft es in klobigem Plusquamperfekt durch die Zeilen unter der Schlagzeile über eine Verurteilung. Da tanzt, das miserable Sprachgefühl einen unbeholfenen Rock ’n’ Roll mit dem mangelnden Sachverstand. Hier hat das angelsächsische Vorbild einen trüben Schlamm in den Gehirnen der Gerichtsreporter aufgewirbelt. In England und Amerika befinden zwölf Geschworene über die Schuld des Angeklagten. Ihr verlief spricht das Schuldig oder Nichtschuldig aus, und erst im Anschluß daran verkündet der juristisch gebildete Richter die sentence, nämlich das Strafmaß oder den Freispruch. Das geschieht Stunden, Tage und zuweilen Wochen after he had been found guilty, nachdem er schuldig gefunden worden war.

Bei uns verkündet das Gericht, mag es nun von rechtsgelehrten Richtern oder von Berufsrichtern mit Laien gemischt besetzt sein, in einem Zuge mit Strafe oder Freispruch seine Überzeugung von Schuld oder Nichtschuld des Angeklagten. Da aber wohl oder übel der Pressebericht entgegen allem Sachverhalt und Sprachgefühl in das angelsächsische Schema gepreßt werden muß, wird unbefangen die sprachliche Abscheulichkeit formuliert. Wie wär’s mit dem einfachen Satz: "Das Gericht fand ihn schuldig." Immerhin wäre auch damit ausgedrückt, daß das Gericht etwas gesucht und seiner Meinung nach gefunden hat, nämlich die Wahrheit und das Recht. Ulpian