C. L., Accra

Im März 1957 ist Ghana; die alte Kolonie "Goldküste", ein unabhängiger Staat geworden. Erst seit einem halben Jahr hat Ghana ein Parlament, und nun besitzt es auch bereits eine eigene Schifffahrtslinie. Zusammen mit der israelischen Linie Zim in Haifa, der 40 v. H. der Anteile gehören, hat der Staat Ghana die Schwarze Stern Linie gegründet, deren erstes Schiff schon in den nächsten Wochen in Dienst gestellt werden soll. (Was wohl Präsident Nasser dazu sagen wird?)

Von den nach dem zweiten Weltkrieg neu entstandenen oder unabhängig gewordenen Staaten in Asien und Afrika ist Israel wohl das einzige Land, das über mehr ausgebildete Techniker und Spezialisten verfügt, als es selber brauchen kann. Vielleicht ist dies der Grund für den Wunsch Ghanas nach enger Zusammenarbeit mit Israel. Das inzwischen in der Hauptstadt Accra eingezogene diplomatische Korps beobachtet neidvoll die Erfolge Israels, denen man deshalb verhältnismäßig viel Gewicht beimißt, weil Ghana bemüht ist, eine führende Rolle in dem Pan-Afrikanischen Kongreß zu spielen, bei dem auch Ägypten, der Sudan, Tunis und Marokko ihre Mitarbeit zugesagt haben. Der israelische Einfluß in Ghana geht bereits so weit, daß die Gewerkschaften des Landes das bisherige britische Organisationssystem aufgegeben und sich nach dem Muster der israelischen Histadruth umgebildet haben. Der stellvertretende Generaldirektor des israelischen Departments für Bewässerung soll in den nächsten Tagen in Accra eintreffen, um die Entwicklungspläne zu überprüfen. In diesem Zusammenhang deutete der Arbeitsminister an, daß Israel vielleicht 100 Techniker für die Wasser- und Elektrizitäts-Werke des Landes zur Verfügung stellen werde.