Die Affen klettern im Baum der Erkenntnis

Von Marion Gräfin Dönhoff

Tito hat Hexenschuß. Wer hatte noch vor drei Wochen, als der jugoslawische Marschall im Hinblick auf eine engere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion ohne Zögern die diplomatischen Beziehungen mit der Bundesrepublik aufs Spiel setzte – wer hätte damals gedacht, daß er ausgerechnet am Vorabend der Feiern zum 40. Jahrestag der Revolution Hexenschuß bekommen würde. Aber Tito ist ein gutes Barometer und für Wetterumschlag sehr empfindlich.

Erstaunlich, wie schnell die Zeitläufte wechseln. Als der erste rote Mond aufstieg und seine Kreise im Weltall zu ziehen begann, da schlugen sogleich viele Herzen höher – auch Titos Herz. Araber und Afrikaner, die einst des weißen Mannes Künste bestaunt hatten, begannen nun dem Sowjetmenschen ob seiner überlegenen Technik Bewunderung zu zollen.

Nach Bedarf: Krieg oder Frieden

Dann folgte jene eigenartige Verquickung von Innen- und Außenpolitik: Die Absetzung Marschall Schukows in Rußland und Chruschtschows Kriegsgetöse im Nahen Osten. Zwei Wochen lang hielt Nikita Chruschtschow die Welt und die UN-Generalversammlung mit seinen kriegerischen Reden in Atem: Anträge, Hetzreden, große Debatten. Bis schließlich der Präsident der Versammlung feststellen konnte, daß keine Partei mehr auf einer Abstimmung bestehe! Chruschtschow hatte nämlich – kaum, daß die Absetzung Schukows über die Bühne gegangen war – kein Interesse mehr daran, jene aufgebauschte Geschichte weiter aufrechtzuerhalten.

Mit einer Handbewegung wischte er die Kriegsdrohung vom Tisch der Generalversammlung. Kein Wort mehr über die Aggressionsabsichten der Türkei und über die syrische Forderung nach Untersuchungen im Grenzgebiet. Gromyko, der sich nicht genug über die "amerikanischen Kriegshetzer" hatte entrüsten können, sprach schließlich nur noch von dem "türkisch-syrischen Streitfall".