A. M., Paris, im November

Frankreich hat nicht nur endlich wieder eine Regierung, es hat mit dem Kabinett Felix Gaillards auch eine Regierung erhalten, in der die Rechte und die Sozialisten zum ersten Male seit sechs Jahren wieder zusammensitzen. Das ist ihr entscheidendes Merkmal. Die Sozialisten und die Rechte haben sich aber keineswegs versöhnt – sie sind sich spinnefeind genau wie zu Beginn der Krise. Sie haben sich nur aus Resignation zusammengefunden, weil die Krise unmöglich weiter, andauern konnte, und so bilden sie eine Equipe, die nur beschränkt aktionsfähig sein wird. Um so mehr, als das Algerien-Problem, von dem alle anderen Probleme abhängen, durch das Ausbleiben eines Personenwechsels blockiert bleibt. Der Sozialist Lacoste ist nach wie vor Algerienminister, und er ist nach wie vor von dem Sozialisten Lejeune im Sahara-Ministerium und vom Sozialisten Gerard Jacquet im Übersee-Ministerium flankiert. Zwar hat mit dem Volksrepublikaner Pflimlin einer der wenigen Männer, denen der Mut und die Kraft zu grundlegenden Reformen zuzutrauen ist, das Dach-Ministerium für Finanzen und Wirtschaft übernommen, aber es ist nicht sicher, ob der energische Elsässer gegen die Lähmung aufkommen kam, die in solcher Vereinigung des Unvereinbaren nun einmal beschlossen liegt. Um so beunruhigender ist, daß bei diesem Experiment eine noch unverbrauchte Kraft, Felix Gaillard – der jüngste Regierungschef, den die Republik je gehabt hat –, aufs Spiel gesetzt werden muß.