G. Z., Karlsruhe

Seit Jahr und Tag schon versucht die Sowjetzonen-Gewerkschaft, sich beim Deutschen Gewerkschaftsbund anzubiedern. Bis jetzt hat dieses hartnäckige Werben allerdings keine Gegenliebe gefunden. Der DGB hat es immer konsequent abgelehnt, sich in ein Gespräch mit Herbert Warnkes FDGB einzulassen.

Weil es also durch den Vordereingang nicht geht, versucht es Pankow jetzt durch die Hintertür: Beim Bundesvorstand des FDGB wurde eine Sonderabteilung – das Büro für Gewerkschaftseinheit – eingerichtet, das den Einsatz der im Bundesgebiet tätigen "Instrukteure" dirigiert. Aufgabe dieser Instrukteure ist es, Verbindung zu Betriebsräten und Arbeitern in Industriebetrieben, zu Verwaltungen und Konsumgenossenschaften aufzunehmen, mit dem Ziel, "Korrespondenz-Zirkel" und "Arbeitsgemeinschaften zur Verständigung der Gewerkschaften zwischen Ost und West" zu organisieren.

Bei aller Tarnung blieben diese Infiltrationsversuche nicht verborgen. Die Ermittlungen sind indes offenbar so diffizil gewesen, daß man erst jetzt einmal richtig zupacken konnte. Die Bundesanwaltschaft gab dieser Tage die Verhaftung von vier FDGB-Instrukteuren bekannt. Vielleicht kommen noch einige dazu, denn die Ermittlungen sind, wie es heißt, noch nicht abgeschlossen.

Auch einige westdeutsche Verbindungsleute blieben im Netz hängen. Sie hatten mit den Ost-Instrukteuren zusammengearbeitet und ihnen Informationsmaterial über interne Vorgänge in Betrieben und Gewerkschaften geliefert. Nach dem Strafgesetzbuch heißt die Tätigkeit von Warnkes Stoßtrupps: "verfassungsfeindlicher Nachrichtendienst", die Hilfeleistung der westdeutschen Verbindungsleute: verfassungsfeindliche Beziehungen. Die Bundesanwaltschaft bereitet jetzt ein Verfahren vor.