Die Bundesrepublikaner sehen sich jetzt zwei anstrengenden Feldzügen gegenüber: Kaffee und Tee haben zum Generalangriff geblasen, um den bei uns noch immer verhältnismäßig geringen Konsum an beiden Getränken endlich dem europäischen Durchschnitt anzupassen.

Besonders benachteiligt ist offensichtlich der Tee. Natürlich kann nicht erwartet werden, daß wir uns im Teeverbrauch eines Tages mit den Engländern messen können, die schließlich je Kopf und Jahr auf einen Rekordverbrauch von 4600 Gramm kommen; aber mit unseren 120 Gramm Tee, die jeder Bundesbürger im statistischen Durchschnitt im vergangenen Jahr verbrauchte, stehen wir doch erheblich unter der Normallinie. Die Holländer sind uns mit 830 Gramm weit voraus, und selbst die Amerikaner konsumieren je Kopf mit 330 Gramm mehr Tee als wir.

Das soll nun anders werden. Vom Deutschen Tee-Büro, der Arbeitsgemeinschaft der internationalen Teewerbung in der Bundesrepublik, wird die Werbetrommel kräftig geschlagen, um dem nur zaghaft steigenden Teekonsum eine "Initialzündung" zu geben. Zu diesem Zweck wurde in Hamburg Petra Schürmann, "Miß Welt" von 1956, feierlich zur "Deutschen Tee-Prinzessin" erkürt. Krönungsgäste waren Minister S. P. Wickramasinha von Ceylon und S. V. Patel, Indiens Generalkonsul in Hamburg. Mit ihrer Teilnahme an dieser Zeremonie dienten sie zugleich der Absatzförderung der wichtigsten Exportgüter ihrer Länder. Nun wird allerdings bewiesen werden müssen, ob sich die Bundesrepublikaner von einer, "Prinzessin" wirklich zum stärkeren Teekonsum verführen lassen.

Leicht wird es die "Tee-Prinzessin" nicht haben, denn auch die Kaffeehändler wollen mit einer massierten Werbung den Konsum anregen. Auf seiner Hamburger Tagung hat das Comitee Europäischer Kaffee-Händler-Vereine sich ausgerechnet, daß der Kaffeeverbrauch in Europa noch beachtlich zu steigern ist. In den Vereinigten Staaten werden bei einer Bevölkerung von 172 Millionen jährlich 22 Mill. Sack Kaffee verbraucht, während es in den zum Comitee gehörenden europäischen Ländern mit 216 Millionen Menschen kaum 9 Mill. Sack sind. Hier soll nun eine allgemeine Kaffeewerbung schleunigst Abhilfe schaffen. ww.