Vor einem Super-Pakt? Immer deutlicher wirft die große NATO-Konferenz ihre Schatten voraus, auf der im Dezember in Paris die Ausrüstung der europäischen NATO-Partner mit modernsten amerikanischen Waffen erörtert werden soll. Ferner beabsichtigen die Vereinigten Staaten und Großbritannien offenbar, der Konferenz einen Plan vorzulegen, der die Koordination der Verteidigungsbemühungen von 50 Staaten vorsieht. So haben die beiden den Erdball noch immer umkreisenden Sputniks in kurzer Zeit eine Wirkung gezeitigt die mit ihrer wissenschaftlichen Bedeutung wahrhaftig sehr wenig zu tun hat.

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An den Moskauer Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der kommunistischen Oktoberrevolution nahmen außer Marschall Tito alle führenden Kommunisten der Welt teil und bewunderten bei der großen Militärparade auf dem Roten Platz vor allem die neuesten sowjetischen Raketenwaffen. Am Vortage hatte Parteisekretär Chruschtschow in einer Rede vor beiden Häusern des obersten Sowjets eine neue Ost-West-Konferenz auf höchster Ebene vorgeschlagen und den Westen zum friedlichen Wettstreit aufgefordert: "Unsere Trabanten fliegen um die Erde, bis an ihrer Seite amerikanische und andere Trabanten erscheinen und einen Freundschaftsbund der Trabanten schließen werden." Chruschtschows Konferenzvorschlag fand im Westen keine große Gegenliebe. Der Kreml würde, hieß es, seine im Augenblick (psychologisch) starke Situation sicherlich über Gebühr ausnutzen und damit jedes sachliche Gespräch vereiteln,

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SPD-Wahlsieg in Hamburg: Bei den Wahlen zur Bürgerschaft konnten die Hamburger Sozialdemokraten mit 53,9 v. H. der abgegebenen Stimmen einen überraschend großen Erfolg buchen. Sie erlangten damit zum erstenmal in der parlamentarischen Geschichte der Hansestadt eine absolute Stimmenmehrheit. Außer der SPD (die 68 von den insgesamt 120 Bürgerschaftsmitgliedern stellt) werden nur noch zwei Parteien im Hamburger Stadtparlament vertreten sein, die CDU mit 41 und die FDP mit 11 Abgeordneten. Die DP erhielt nur 4,1 v. H. der abgegebenen Stimmen und scheiterte damit an der Fünfprozentklausel. In der letzten Bürgerschaft hatte der aus CDU, FDP und DP gebildete Hamburg-Block mit 62 Sitzen die Mehrheit. Der Wahlsieg der Sozialdemokraten gelt offenbar zum Teil auf das Konto einer straffen, in der Opposition gefestigten, dabei aber schon seit langem "reformierten" Parteiorganisation, zum Teil aber gewiß auch auf die große Popularität von Max Brauer, der jetzt seinen Rivalen Kurt Sieveking als Bürgermeister wieder ablösen wird. Unklar ist noch, ob die FDP mit den Sozialdemokraten zusammengehen wird; eine große Koalition jedenfalls (von der im Wahlkampf häufig die Rede war) scheint nach diesem eindeutigen Ergebnis sehr unwahrscheinlich zu sein.

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Große Koalition in Hannover: Überraschend brach in der letzten Woche die bisherige niedersächsische Regierungskoalition aus DP, CDU, FDP und BHE auseinander. Die DP/CDU-Fraktion "entließ" die beiden anderen Parteien sozusagen aus der Regierung. Den Anlaß zu dieser überraschenden Entscheidung gab der Entschluß der erst kürzlich gebildeten Fraktionsgemeinschaft des Gesamtdeutschen Blocks mit den Freien Demokraten, sechs Landtagsabgeordnete der Deutschen Reichspartei als Hospitanten aufzunehmen. Die beiden Parteien verfolgten mit diesem Manöver offenbar die Absicht, ihre Position als "Dritte Kraft" zwischen den großen Parteiblöcken zu festigen. So griffen sie sehr weit nach rechts – und griffen daneben. Inzwischen hat sich unter Ministerpräsident Hellwege eine große Koalition aus CDU, SPD und DP gebildet.

Sirius, 14.11.1957