Der Absatz der neuen 7 1/2prozentigen Anleihen geht so reibungslos vonstatten, daß man an der Börse bereits von der Möglichkeit spricht, den Zinsfuß im kommenden Frühjahr auf sieben v. H. zurücknehmen zu können. Dieser Optimismus wird von der Zentralen Kapitalmarktkommission allerdings nicht geteilt; sie befürwortet eine scharfe Reglementierung der Emissionen, weil nach ihrer Ansicht die Anforderungen an den Kapitalmarkt immer noch größer sind, als seine Leistungsfähigkeit ausmacht. Vergessen wir nicht, daß es sich bei den Renten immer noch um eine Art von Naturschutzpark handelt, der recht sorgsam gepflegt wird. Immerhin haben die Hoffnungen auf eine weitere Zinssenkung zu einer Verschärfung der Schwierigkeiten geführt, denen sich die Pfandbriefinstitute zur Zeit im Aktivgeschäft gegenübersehen. Bevor es zu einer Zinssenkung kommt, wird man sicher zunächst die Ausgabekurse der jetzigen Anleihen (96 und 97 v. H.) bis auf 99 v. H. heraufsetzen. Von einem solchen Schritt ist im Augenblick trotz des festen Marktes jedoch nicht die Rede; man getraut sich nicht einmal, jede Kommunalanleihe mit 7 1/2 v. H. herauszubringen.

Bei allen Zinsüberlegungen wird in Zukunft die Situation des Auslandes in Betracht gezogen werden müssen, das – sieht man einmal von währungspolitischen Erwägungen ab – bei steigenden Zinssätzen als ernsthafter Konkurrent auftreten wird. Auf dem Geldmarkt hat sich bereits eine unter diesem Blickpunkt bemerkenswerte Entwicklung angebahnt. So teilte die Deutsche Bank in diesen Tagen mit, daß sie der niederländischen Regierung einen Kredit von 200 Mill. holländischen Gulden in der Form des Erwerbs von 5 1/8prozentigen Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von einem Jahr gegeben hat. Dieser Satz liegt um ein v. H. über den Abgabesätzen der Bundesbank für U-Schätze (unverzinsliche Schatzanweisungen) mit einer Laufzeit von einem Jahr. Entsprechende Geschäfte wären wahrscheinlich schon in einem größeren Umfang durchgeführt worden, wenn nicht die vielfach für notwendig gehaltene Kurssicherung durch Termindeckungsgeschäfte den Zinsgewinn in der Regel wieder aufzehren würde. Die Kosten der Kurssicherung aber verschwinden oder reduzieren sich auf einen unwesentlichen Betrag, sobald die Furcht vor Währungsverlusten nicht mehr besteht.

Der Aktienmarkt ist langsam wieder in Bewegung gekommen. Wahrscheinlich setzt sich mehr und mehr die Überzeugung durch, daß in den Kursen nach oben noch "etwas Luft" vorhanden ist. Bahnbrecher waren in dieser Woche die Bankaktien, die man sonst üblicherweise als "Schlußlichter der Hausse" bezeichnet. Zu starken Kurssteigerungen kam es beim Commerzbank-Bankverein und bei der Commerz- und Credit-Bank. Bei beiden Gesellschaften gilt eine Kapitalerhöhung als wahrscheinlich. Auf dem Montanmarkt konzentrieren sich die Hoffnungen jetzt auf eine zehnprozentige Dividende beim Hüttenwerk Oberhausen. Außerdem – erwartet die Börse, daß diese Gesellschaft in absehbarer Zeit mit dem GHH-Aktienverein vereinigt wird, wobei man von einem Umtauschverhältnis GHH in Oberhausen von 10 :8 wissen will. Der GHH-Kurs liegt bei 234 v. H., der Oberhausen-Kurs bei 169 v. H., bei dem genannten Umstellungsverhältnis, das von keiner Seite irgendwie bestätigt worden ist, wäre die Differenz zwischen beiden Kursen zu hoch.

Die Standardpapiere profitieren noch immer von den Investment-Käufen. Vom Standpunkt der Rendite her gesehen sind die Zertifikate für den "Kleinkapitalisten" zweifellos am reizvollsten, weil er die Ausschüttungen "netto" – also ohne Abzug der Kapitalertragsteuer – erhält. Da sich das Verkaufsangebot aus dem Ausland nur auf begrenzte Beträge bezieht, konnten die "internationalen Werte" um einige Punkte aufholen. Besonders freundlich lagen Kaufhauswerte. Bei ihnen ist wieder mit guten Dividenden zu rechnen. Als Begründung für die steigenden Kurse der Kaliwerke wird der flotte Absatz an Düngemitteln genannt. Hoffnungen auf Gratisaktien ließen den Kurs von Dt. Linoleum scharf ansteigen; zeitweilig notierte das Papier mit "gestrichen Geld". AG für Verkehr erreichten mit 216 ihren bisher höchsten Kurs. Offenbar sind es nicht nur Hoffnungen auf Gratisaktien, die hier eine Rolle spielen; daneben scheint eine interessierte Bank ständig Material aus dem Markt zu nehmen.

Bei den Elektroversorgungswerten wirken sich nunmehr die Dividendenhoffnungen bei Bekula aus. Das Papier stieg auf 129 v. H. Für den Aktionär stört, daß der Berliner Senat 1966 die Möglichkeit hat, die Aktien zum Kurs von 91,2 v. H. zu übernehmen. Allerdings hat er bereits erklären lassen, er würde von dem Übernahmerecht keinen Gebrauch machen. -ndt