Der Mensch vor der Selbstauslösung seiner Rasse auf unserem Planeten: Das ist fürwahr ein Thema! Seit den alten Propheten hatte jedes Zeitalter seine eigene Version von der totalen Vernichtung der Menschheit und von den Geschehnissen am Ende der Zeiten. Aber die Apokalypse ist, seitdem die erste Atombombe im Frühjahr 1945 bei Los Alamos detonierte, kein Mythos mehr, sondern nüchterne technische Kalkulation. "Heute ist – so heißt es bei

Karl Jaspers: "Die Atombombe und die Zukunft des Menschen." R. Piper & Co., Verlag, München; 27 S., 3,50 DM,

"heute ist das Denken in solchen Perspektiven (wie der Glaube der ersten Christen an das bevorstehende Weltende) wieder unumgänglich, aber nur durch die Realität unserer technischen Situation."

Albert Einstein, der neben Max Planck der entscheidende geistige Urheber des Atomzeitalters ist, hat kurz vor seinem Tode in einer beschwörenden Erklärung daran erinnert, daß ein Krieg mit Kernwaffen wahrscheinlich das Ende aller Lebewesen bedeuten würde.

Wir dürfen – so meint nun Jaspers – uns nicht einfach deswegen beruhigen, weil der Gedanke an eine totale Vernichtung des Lebens eine solche Ungeheuerlichkeit ist, daß er alle Horizonte normaler Vorstellungen überschreitet. "Warum soll die Menschheit nicht zugrunde gehen können, und zwar bald? Es ist doch schon ungeheuerlich, daß der Mensch die kosmischen Energien, die Kraft der Sonnensubstanz selber auf unsere Erde versetzt."

Was kann der einzelne überhaupt noch tun? Es gibt zwar viele Proteste; aber da man am liebsten von der Atomgefahr überhaupt nichts wissen möchte, täuscht sich jeder brav über den Ernst der Lage. Jedoch: "Das Wegschieben des Möglichen – nämlich der totalen Vernichtung – geht gegen die Würde der Vernunft." Die Möglichkeit der Katastrophe ist für Jaspers der Ausgangspunkt für eine Selbstbesinnung. Nur im sittlichen Bemühen des einzelnen sieht Jaspers eine Möglichkeit, die Situation vielleicht zum Besseren zu wenden.

Während Jaspers so radikal nach der Chance und der Aufgabe des einzelnen fragt, stellte ein Philosoph, der zugleich Physiker ist, die Frage, was speziell der Wissenschaftler tun kann, um die gefährliche Lage zu entspannen: