Ein Hamburger Kaufmann hatte für Barbara und ihre "Flüchtlings-Starthilfe", die den Lesern der ZEIT nun schon seit Jahren vertraut ist, sowie für das Rote Kreuz ein ganz besonderes Geschenk: Er kaufte alle Plätze der Staatsoper, die dann zu erhöhten Preisen weiterverkauft wurden, sogar zu sehr erhöhten Preisen. Wir freuen uns, daß dies ein gewinnreicher Abend für Barbaras "Organisation" wurde – wenn wir diese Hilfsgemeinschaft einmal so nennen wollen, die sich von anderen auch dadurch unterscheidet, daß die "Verwaltungskosten" gleich null sind.

Jeder weiß, welchen Beigeschmack "Wohltätigkeitsveranstaltungen" manchmal haben: Man tanzt und flirtet für sein Geld zum Wohle anderer, die weder Geld, noch Lust, noch Gelegenheit haben zu Tanz und Flirt. Diesmal aber herrschte nur auf der Bühne der Tanz, wobei es sich um das Programm des erlesenen modernen Ballett-Abends handelte, den die Hamburgische Staatsoper im Spielplan dieser Saison bereit hält. Vielen Gästen Barbaras gefiel’s – denn sie und ihre Freundinnen waren ja sozusagen die Gastgeberinnen –, andere waren anfangs reserviert gegenüber der modernen Kunst und erwärmten sich nur zögernd. Indessen war das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt von einer ansehnlichen, ja repräsentativen Besucherschaft, die – wenn nicht dem Ruf der Kunst, dann doch dem Appell Barbaras willig, ja großzügig gefolgt war.

Müßte man erst beweisen, daß es den "königlichen Kaufherren" Hamburgs nicht an guten Ideen fehlt, so wäre hier der Beweis: Einer hat ein Herz für Barbaras Schützlinge und für die moderne Kunst. Nun brauchte es nur eben diese eine Idee, die von vielen so verstanden wurde, wie sie gemeint war (und "nur noch" den Griff zum Scheckbuch), und es war ein Gewinn für alle: für die Kunst, für Barbara, das Rote Kreuz und für das Publikum. M.