Nun sind in Niedersachsen die Sozialdemokraten an die Stelle jener Parteien getreten, die schon so zuversichtlich glaubten, einen besonders gelungenen "Coup" zu landen. Von 9 Kabinettssitzen erhielt die SPD 4, nämlich das Innen-, Wirtschafts-, Sozial- und Vertriebenenministerium, während die Gemeinschaftsfraktion, bestehend aus CDU und DP, 5 Ministerien besetzte. Von der CDU übernimmt der bisherige Innenminister Wegmann die Finanzen, der Abgeordnete Kurt Riesling Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Hoffmeister voraussichtlich die Justiz. Langenheine (DP) bleibt Kultusminister und Hellwege, der Vorsitzende der kleinsten der drei neuen Koaliiionsparteien, bleibt Ministerpräsident. Heinrich Kopf wird stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister. – Daß die Radikalen gerade in Niedersachsen – das bisher als das Land galt, in dem sie sich am hartnäckigsten hielten – eine solche Niederlage erlitten haben, ist besonders erfreulich. Die FDP erhält damit den nicht gerade beneidenswerten Ruf, daß sie von den im Bundestag noch vertretenen Parreien die einzige ist, in der die Überreste der Rechtsradikalen noch hoffen können, Unterschlupf zu finden. Die FDP geht, nicht nur in Niedersachsen, darauf aus, zu einer "dritten Kraft" zu werden, vielleicht aber trägt die Lehre, die ihr in Niedersachsen zuteil wurde, dazu bei, die Liberalen, die der FDP noch angehören, aufmerken zu lassen.

Für Hellwege war der Entschluß, die sogenannte bürgerliche Koalition zu beenden, auch im Hinblick auf Widerstände innerhalb seiner eigenen Partei sicherlich nicht leicht. Daß er ihn dennoch faßte, hatte zwar auch in den wenig seriösen Eskapaden des freidemokratischen Partners seinen Grund, die ihm vom Beginn der Regierung an das Leben sauer machten. Aber das Wesentliche war die grundsätzliche politische, man könnte auch sagen, die moralische Entscheidung. Hellwege steht zwar dem Sozialismus nicht nahe, aber bei der Alternative zwischen DRP und SPD gab es für ihn nur eine Wahl. Daß die Sozialdemokraten sich klar geweigert haben, der DRP durch Verhandlungen zu politischem Einfluß zu verhelfen, ist ebenso erfreulich.

Als Begleiterscheinung der Umbildung wurde die Zahl der Ministerien vermindert. Das Aufbauministerium, ohne Not geschaffen (um in der vergangenen Vier-Parteien-Koalition einen passenden Stuhl für den Vorsitzenden der FDP, Dr. Maelzig, zur Verfügung zu stellen), wurde mit dem Sozialressort vereinigt. Darauf drängte die SPD, und zu Recht, denn 9 Minister sollten für ein Land, auch wenn es das drittgrößte der Bundesrepublik ist, mehr als ausreichend sein. Z.