Mit der Festsetzung der Klöckner-Dividende auf wieder acht v. H. hat sich in den westdeutschen Börsensälen ein gewisser Dividendenpessimismus verbreitet. Zum ersten Male wurde in aller Deutlichkeit klar, daß die Dividendenbäume auch in Zeiten des permanenten Wirtschaftswunders nicht in den Himmel wachsen und eventuell auch einmal eine Stagnation oder sogar ein Rückschlag möglich ist. 1956 war das Ausmaß der Dividendenherabsetzungen zwar noch gering, aber es hat doch gegenüber 1955 etwas zugenommen. Die Häufung der Dividendenverschlechterungen in einigen Industriezweigen deuten darauf hin, daß sie auf Schwierigkeiten innerhalb ganzer Branchen zurückzuführen sind, die meist, aus besonderen Gründen keinen rechten Anschluß an die gesamtwirtschaftliche Entwicklung gefunden haben. Aber das Schwergewicht der Dividendenreduzierungen betrifft offensichtlich solche Gesellschaften, die innerhalb ihres Arbeitsgebietes ungünstige Voraussetzungen hatten, die keineswegs immer betriebsbedingt zu sein brauchten. Teilweise waren es auch geographische Gründe, die hier eine Rolle spielten. Auf diesen Faktor wird man in Zukunft noch mehr achten müssen, denn die Transportkosten bilden zunehmend einen wichtigen Bestandteil der Rentabilitätsauslese, zumal wenn die Tariferhöhungen der Bundesbahn wirksam werden.

In einigen Industriezweigen sind bereits in den Abschlüssen für 1956 die Auswirkungen der verschärften Wettbewerbslage in den Dividendenrückgängen abzulesen. Man kann annehmen, daß diese Symptome in den Abschlüssen für 1957 eine noch größere Rolle spielen werden. Es darf in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß auch die Kapitalherabsetzungen in 1956 zugenommen haben. Es waren nicht immer aufgelaufene Verluste, die zu diesem Schritt führten, sondern teilweise wollte man nur die Höhe des Aktienkapitals den gegebenen Verhältnissen anpassen. Aber alle diese Kapitalsermäßigungen zeigen deutlich, daß keineswegs überall ein stürmischer Aufschwung zu verzeichnen ist.

Von einem Aufschwung kann allerdings in den Geschäftsjahren 1955/56 bzw. 1956 noch durchaus die Rede sein. Die Kurve der Dividendenaufbesserungen hat sich der Zahl nach zwar etwas abgeflacht, und die Zahl der Wiederaufnahmen derDividendenzahlungen ist sogar erheblich geringer geworden, aber dabei ist zu berücksichtigen, daß das Ausmaß der Dividendenlosigkeit in den letzten Jahren sehr stark geschrumpft ist und auch eine erhebliche Anzahl von Gesellschaften bereits den – unausgesprochenen, aber deutlich erkennbaren – Dividendenstopp von 12 v. H. bzw. 10 v. H. erreicht hat. Dagegen war man im Ausmaß der einzelnen Dividendenverbesserung in 1956 erheblich mutiger als in den Vorjahren. Die Erstdividenden wurden fast restlos mit 5 bis 6 v. H. festgesetzt, bei einer Gesellschaft sogar mit 8 v. H. Die Erhöhung der Dividendensätze betrug vielfach 2 und 3 v. H., nicht selten gehen sie aber auch auf 4 bis 5 v. H. In den früheren Jahren nahm man die Dividendenzahlung immer bescheiden mit 4 v. H. auf, steigerte dann überwiegend um 1 v. H., und nur in den begünstigten Industriezweigen um 2 v. H. Mehrere Gesellschaften zahlten den vorjährigen Satz netto aus, was praktisch Dividendenerhöhungen bis zu 4 v. H. gleichkommt.

Man sollte aber diese verhältnismäßig großen Schritte zur Dividendenerhöhung nicht ohne weiteres mit entsprechenden prozentualen Erhöhungen der Unternehmensrentabilität gleichsetzen, vielmehr hat hierbei die zuversichtlichere Stimmung für die Zukunft und die Konsolidierung der Verhältnisse entscheidend mitgewirkt. Eine größere Anzahl von Dividendenerhöhungen erfolgte in der Form einer Bonus-Zahlung (meist in Verbindung mit einem Jubiläum) und trägt damit zunächst noch. den Charakter der Einmaligkeit. Ob im nächsten Jahr der Dividendensatz entsprechend erhöht wird, bleibt abzuwarten. Von den für 1955 geleisteten Bonus-Zahlungen ist etwa die Hälfte ganz oder teilweise in höheren Dividendensätzen erhalten geblieben, während bei der anderen Hälfte der Bonus fallengelassen wurde.

Von 1365 Aktiengesellschaften der westdeutschen Industrie, die bisher ihre Abschlüsse veröffentlichten, haben nur 40 Gesellschaften ihre Dividendenzahlungen wieder aufgenommen. Andererseits sind auch nur 241 Gesellschaften wieder dividendenlos geblieben. Der Raum für Wiederaufnahmen der Dividendenzahlungen ist also sehr eng geworden. Dies gilt um so mehr, als bei einem sehr erheblichen Teil der Gesellschaften die Dividendenlosigkeit nicht durch die Ertragslage erzwungen ist, sondern daß man aus Gründen der inneren Kapitalbildung auch bei guten Gewinnen keine Dividende ausschüttet. Andererseits ist zu berücksichtigen, daß bei den noch ausstehenden Gesellschaften der Anteil der zwangsläufigen Dividendenlosigkeit erheblich höher ist. Die schlechten Jahresergebnisse werden immer wesentlich später vorgelegt, als die guten. Schließlich handelt es sich immerhin noch um einige hundert Gesellschaften, die auch heute noch nicht ihren Abschluß für 1956 vorgelegt haben.

Erhöhungen der Dividendensätze wurden von 430 Gesellschaften vorgenommen, während nur 357 Gesellschaften ihren vorjährigen Dividendensatz aufrechterhalten haben. Demnach hat mehr als die Hälfte aller Gesellschaften, die für 1955 eine Dividende zahlten, ihren Satz erhöht. Weitere 127 Gesellschaften wiesen einen Reingewinn aus, der eine mindestens fünfprozentige Dividende gestattet hätte, aber in den Pflichtveröffentlichungen wurde über die Gewinnverwendung keine Mitteilung gemacht. Bei 124 Gesellschaften wurde die Bilanz durch Organschaftsabrechnung ausgeglichen.