St., Husum

In der nördlichsten Karpfen-Teichwirtschaft des Bundesgebietes, inmitten der Fichtenschonungen und des Heidesandes am Stollberg bei Husum, paddeln einige hundert Karpfen, die zu den Edelsten ihrer Art zählen. Sie sind nach fünfjähriger Arbeit ausgesucht – die Sieger einer "Freß-Olympiade" von zehn verschiedenen Karpfenstämmen aus dem ganzen Bundesgebiet. Sie repräsentieren den westdeutschen Karpfen der Zukunft, der imstande sein soll, den "Teichwirten" aus dem nahrhaften Bodenschlamm ihrer Karpfenteiche schneller und besser als seine Konkurrenz ihren Verdienst herauszugründeln.

1952 startete der schleswig-holsteinische Verein der Seen-, Fluß- und Teichwirte den Karpfen Wettbewerb. Es ging keineswegs um sportliche Leistungen, sondern um sehr ernste Ziele: Um die Rationalisierung, um mehr Verdienst bei gleicher Leistung. Man sammelte mehrere tausend Konkurrenten, die – mit Perlonfäden in den Rückenflossen markiert – in verschiedenen Teichen Schleswig-Holsteins aus-

gesetzt wurden. Jeder einzelne Bewerber wurde beim Aussetzen im Frühjahr und beim herbstlichen "Abfischen" der Teiche gewogen. Die Bedingungen dieser Freß-Olympiade waren hart, aber gerecht. Alle Bewerber schwammen im gleichen Teich, der Siegerpreis winkte demjenigen Stamm, dessen Angehörige den Mitbewerbern am meisten von

den schmackhaften Würmern und Zuckmückenlarven des Teichschlammes fortfressen konnte, die also am schnellsten zunahmen. Die Karpfendamen, die auf eine schlanke Taille keinen Wert legten, stellten die meisten Sieger. Nach den Erfahrungen der Karpfenzucht ist das Weibchen des "Teichschweins" im Zunehmen stets dem Männchen voraus.

Nach fünfmaliger Wiederholung der Karpfen-Leistungsprüfung unter Aufsicht des in Fachkreisen als "Karpfenprofessor" bekannten Zoologen Professor Dr. Wunder steht in diesem Jahr der "Siegerstamm" eindeutig fest: Es ist ein Stamm aus Bayern, dessen Angehörige sich im Futtererbeuten und im Zunehmen hervorragend bewährten.