Im Karussell der französischen Ministerpräsident-Aspiranten kam Felix Gaillard zum Zuge. Mit 38 Jahren ist er der jüngste Regierungschef des Landes; sein "Rekord" wurde nur vom Fürsten Decazes vor 140 Jahren um ein Jahr unterboten. Gaillard gelang es, alle Parteien zwischen den extremen Flügeln unter einen Hut zu bringen. Das läuft vor allem auf einen "Nichtangriffspakt" zwischen den Sozialisten und den rechtsstehenden Unabhängigen Pinays hinaus – unter Überwindung jener Hürde, die zwei Regierungsbildungsversuche Mollets scheitern ließ. Da die 30 Minister und Staatssekretäre geschickt auf all diese Gruppen verteilt sind, fiel die Investiturwahl mit einer für das Palais Bourbon seltenen Mehrheit aus. Neben dem "Nein" der Poujadisten, die den Zersetzungsprozeß aller konzeptlosen Rechtsextremisten durchmachen, und der Kommunisten, enthielt sich nur Mendfès-France mit seinen letzten zehn Mannen der Stimme. Das war die Antwort auf den Bruch, den Gaillard – zusammen mit Bourgès-Maunoury und dem konstruktiven Flügel – vollzogen hat, als er sich von dem großen "Übervereinfacher" abwandte. Der mendeistische Sprecher, der Abgeordnete Hovnanian, stempelte dabei seine Gruppe, von der Moskauer Propaganda verblendet, durch eine Lobeshymne auf das dortige Jugendtreffen am Jahrestag des Blutbades von Budapest in mehr als eindeutiger Weise ab.

Paris, Mitte November

Frankreichs neue Regierung weist für französische Verhältnisse ein erstaunlich niedriges Durchschnittsalter von weniger als 50 Jahren auf. Man beginnt das amerikanische Verfahren zu kopieren und läßt bei den Schlüsselposten auch die jungen Begabungen ins Rampenlicht: der Benjamin dieses Teams, Staatssekretär Giscard d’Estaing, zählt knappe 32 Jahre! Für den daraus zu erwartenden Schwung ist also ein weiter Spielraum geboten...

Angesichts der leeren Staatskassen mußte Gaillards erster Weg zur Banque de France führen, um einen Kassenkredit von 250 Mrd. ffrs – gleich 2,5 Mrd. DM – zu erlangen. Ähnlich steht es mit den Devisen. Die 35tägige Regierungskrise kostete 100 Mill. $. Mollets Wort, daß eine Abwertung mitten im Algerien-Krieg "einem Verbrechen gleichzusetzen" sei, erwies sehr rasch seine volle Gültigkeit. Seit der "Operation 20 v. H." der Regierung Bourgès-Maunoury, die den Franc im August de facto abwertete, sank die französische Währung wieder um 9 bis 10 v. H. unter die neue Parität.

In den nächsten Wochen sind die letzten 50 Mill. $ erschöpft, die anfangs November verfügbar waren. Wohl besitzt die Banque de France noch über 570 Mill. $ an Gold. Aber deren Inanspruchnahme ist keineswegs einfach, weder psychologisch noch parlamentarisch. Der Franc würde beim Abfließen dieser letzten Notreserve auf den freien Märkten ins Uferlose stürzen.

Frankreichs Devisenlage läßt zwei Möglichkeiten offen:

1. die Aufnahme von Auslandsanleihen und