Seit Berlin nicht mehr die deutsche Hauptstadt ist, kann auch vom einst berühmten Berliner Presseball nicht mehr die Rede sein. Das ist freilich das allerkleinste Übel, und wer den Presseball, auf dem sich vor 1933 alle Prominenten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft trafen, nicht mehr erlebt hat, der vermißt ihn nicht. Indessen werden "Pressebälle", sobald der Herbst begonnen hat, allerorten vorbereitet, und sie alle zehren noch vom Ruhm oder der Legende des alten reichshauptstädtischen Pressefestes. Der Presseball der in Bonn tätigen Journalisten ist noch am ehesten repräsentativ. Er ist auch wohl charakteristisch dafür, daß die Zeitungsleute–Tisch an Tisch mit den Politikern – einmal im Jahre sich gestatten, ihrer Phantasie, die Zügel schießen zulassen, wobei denn Spott und Humor in Mengen erlaubt sind, wenn ihre Qualität dem Aufwand entspricht. Der diesjährige Presseball fand am Samstag in Bad Neuenahr statt. Hier eine Probe aus dem Text und den Zeichnungen des Ball-Almanachs. "Vorsicht, frisch gebonnert"

Es treten auf: ER persönlich, seine dreiErzengel, zwei Journalisten, Chor.

Erzengel Globke:

Der Kanzler tönt nach älter Weise

mit unverfälschtem kölschem Klang,

wie auf der letzten Wahlkampf reise

von Deutschlands rotem Untergang.