Der in den letzten Jahren ständig zunehmende internationale Tourismus dringt in die letzten unberührten Dörfer in den Alpen. Neben den Bauernhöfen sind – wo gerade Baugrund zu haben war – vornehme Hotels aus dem Boden geschossen, "Straßenkreuzer" parken neben Heuwagen, und Balkons sind von Telephondrähten verhängt. In Fremdenverkehrs- und Kurorten, wo die Baubehörden keine starke Hand hatten oder wo es an der gegenseitigen Rücksichtnahme unter den Dorfbewohnern fehlte, da erwies sich die Konjunktur als schlechter Baumeister.

Das vorbildlichste Land im europäischen Fremdenverkehr, die Schweiz, hat nun auch in der Bauplanung die Initiative ergriffen. Der Kurdirektor von Murren im Berner Oberland legte kürzlich ein Idealprojekt für die Aus- und Neugestaltung von Kurorten vor. Der Kurort der Zukunft soll von einem Wegnetz (ausschließlich für Fußgänger) durchzogen sein. Elektromobile gleiten geräuscharm in das Zentrum. Die Bahn verkehrt unterirdisch, und Autogaragen liegen außerhalb des Ortes. Die Schweiz hat heute in Murren und Zermatt schon zwei Kurorte ohne Autoverkehr. Kinderspielplätze sollen von schallabsorbierenden Bauten umgeben sein. In den "Kurateliers" sollen die Gäste bei schlechtem Wetter im Kurort der Zukunft ihrem Hobby nachgehen können: Hier kann gemalt, gezeichnet, modelliert – oder getanzt, Bridge oder Schach gespielt, Musik gemacht oder Hallensport getrieben werden. Auch Sternkunde soll es dort geben.

Bei höchster Bequemlichkeit und bester Organisation, wie sie hier versprochen wird, ist der Kurgast selbst schuld, wenn er sich nicht erholt.