Der Zentrale Kapitalmarktausschuß ist in der vergangenen Woche auf einer Tagung in Stuttgart zu dem Schluß gekommen, daß sich die Lage am Rentenmarkt weiter konsolidiert habe. Er bestätigt damit die Meinung des Wirtschaftspublizisten Dr. Volkmar Muthesius, der in einer Feier zum 90jährigen Bestehen der Württembergischen Hypothekenbank in Stuttgart die Ansicht vertrat, daß der Kapitalmarkt nicht so schlecht sei wie sein Ruf. Zum Beweis verglich er die heutige Entwicklung mit der Situation vor dem ersten Weltkrieg. Danach betrugen die Wertpapieremissionen von 1908 bis 1912 durchschnittlich 3,25 Mrd. Mark je Jahr. In der Zeit von 1952 bis 1956 lag der Jahresdurchschnitt der Emissionen dagegen bei 4 Mrd. DM, wobei 2 Mrd. DM auf Pfandbriefe und Kommunalobligationen entfielen im Vergleich zu 800 Mill. Mark vor dem ersten Weltkrieg. Eine wirkliche Hilfe für den Kapitalmarkt sieht Dr. Muthesius nicht in einer staatlichen Förderung des Sparens, sondern nur in einer organischen Steuerreform mit niedriger Einkommensteuer. Voraussetzung hierfür sei allerdings ein Abbau der öffentlichen Ausgaben z. B. durch die Freigabe der Wohnungswirtschaft, wodurch 3,5 Mrd. DM jährlich an öffentlichen Ausgaben für den Wohnungsbau wegfielen. Dies würde rein rechnerisch den Verzichtauf über zwei Drittel des Lohnsteueraufkommens ermöglichen. C. D.