Der englische Dichter schreibt der ZEIT über seine Eindrücke von der Rede des Frankfurter Preisträgers

Gerade jetzt wird dem amerikanischen Romancier und Dramatiker Thornton Wilder, dem Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, von der Philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Wir finden die Wahl der Frankfurter Universität sehr begrüßenswert, und wir beglückwünschen den neuen Doctor philosophiae honoris causa herzlich.

Diese Vorbemerkung erscheint wichtig genug. Hierzulande ist es ja wenig üblich, jemanden zu ehren und dennoch eine Meinung, die dieser Jemand vertritt, sachlich in Frage zu stellen. Meinungen, die in Frage zu stellen uns richtig und notwendig erschien, hat der verdiente Frankfurter Preisträger und Ehrenbürger Thornton Wilder in seiner Frankfurter Festrede am 6. Oktober vertreten. (Der volle Wortlaut dieser Rede findet sich im "Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel", Nr. 83 vom 15. Oktober).

Wir müssen es uns versagen, diese Rede noch einmal abzudrucken, da sie in großen deutschen Tageszeitungen sehr ausführlich wiedergegeben worden ist. Hier soll jedoch ein Auszug folgen, der alle diejenigen Stellen enthält, die zunächst unsere Fragen und jetzt weitere Fragen des englischen Dichters T. S. Eliot ausgelöst haben. Das Stakkato der Diktion hat nichts damit zu tun, daß Sätze weggelassen wurden; es charakterisiert vielmehr den Stil von Wilders Rede, wie sie gehalten wurde. Thornton Wilder sagte am 6. Oktober in der Paulskirche:

"Schon sehen wir, daß die Anregung und Unterstützung künstlerisch-schöpferischer Tätigkeit in den Händen von Bürokraten liegt...

Deutschland hat die Erfahrung einer von Bürokraten überwachten Kultur gemacht, und Rußland macht sie zur Zeit...

Die Führerschaft von Eliten macht der Führerschaft der Mehrheitsmeinung Platz. Das ist die Kultur unter einer Demokratie ...