Die Geretteten der "Pamir" sind – wie vielerorts mit Mißfallen bemerkt wurde – bei ihrer Rückkehr nach Deutschland gegenüber der Presse etwas "abgeschirmt" worden. Meist wurde daran die Vermutung geknüpft, das geschehe aus "wirtschaftlichen Interessen": vor allem im Hinblick auf eventuelle Auseinandersetzungen über die zu zahlende (oder nicht zu zahlende) Versicherungssumme. Solche Überlegungen sind völlig abseitig und verkennen grundlegend das Wesen der Versicherung.

Bei Schiffskaskoversicherungen gibt es in der Regel überhaupt keinen Streit darüber, weil sowohl bei der Gestaltung wie bei der Erfüllung der Verträge rein’kaufmännische Überlegungen Platz greifen, die darauf hinauslaufen, möglichst das gesamte Risiko zu decken und es auch im Schadensfalle zu übernehmen, wie dies dem Wesen einer Versicherung entspricht. Schwieriger liegen die Fälle, wenn Haftungsfragen mitspielen, so z. B. bei Schiffszusammenstößen. Hier muß die Schuldfrage einwandfrei, ähnlich wie bei einer Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung, geklärt werden, um festzustellen, welche Versicherung einzutreten hat. Deshalb wird auch hier auf die Klärung des Sachverhaltes durch die Gerichte meist erheblicher Wert gelegt. Bei der "Pamir" aber kamen solche Überlegungen gar nicht in Betracht, weil es sich hier um eine Katastrophe handelte, die einwandfrei durch Naturereignisse verursacht war. Dies gilt um so mehr, als nach den üblichen Versicherungsbedingungen auch Schäden, die auf Navigationsfehler des Kapitäns zurückgehen, durch die Versicherung gedeckt sind.

Aber selbst bei Haftpflichtversicherungen spricht die kaufmännische Überlegung letzten Endes das maßgebende Wort. Das hat sich erneut bei der Schiffskatastrophe der "Andrea Doria" erwiesen. Hier hat die gute internationale Risikoverteilung die Möglichkeit für eine prompte Regulierung geschaffen; es konnte damit über kaufmännische Überlegungen manche Zweifelsfrage aus der Welt geschafft werden, die vielleicht sonst noch lange die Gerichte beschäftigt hätte. Solche durch Katastrophen verursachten Großschadensfälle zeigen, wie bedeutsam das Institut der Rückversicherung – und damit die Verlagerung des Risikos auf eine große Zahl von Versicherungen – ist. Dadurch wird der einzelne Fall wesentlich "entschärft", was der, dem der Schaden entstanden ist, nur begrüßen kann. rl