In dem Film Anders als du und ich spielen Paula Wessely, Paul Dahlke und Ingrid Stenn die Hauptrollen. Sie vollführen darin einen Seiltanz zwischen den Klippen des guten Geschmacks. Es hat keinen Sinn, die Dinge anders als beim Namen zu nennen: Es geht um den Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches, und Veit Harlan ist der Regisseur des Films, in dem ein Primaner abgöttisch einen Klassenfreund liebt und von ihm in homosexuelle Kreise gebracht wird. Das Thema an sich könnte schon genug interessieren, aber es berührt unangenehm, wie hier menschliche Abartigkeit mit moderner Kunst verquickt wird, gerade so, als ob sie einander bedingten. Der große "Verführer" im Hintergrund weiß die jungen Leute mit elektronischer Musik, abstrakter Malerei und platonischen Literaturgesprächen an sich zu fesseln. Paula Wessely spielt diesmal eine Mutter, aus Liebe zu ihrem Sohn in abenteuerliche Irrungen verstrickt. Sie war schon besser und schon schlechter als gerade in diesem Film.

Daß Veit Harlan diesen Film gemacht hat, ist ein Unglück. Wenn man ihn sieht, wünscht man selbst in Unkenntnis der Biographie dieses Regisseurs, er hätte einen anderen Beruf. Um es so deutlich wie möglich zu sagen: Nicht etwa, weil er das Thema "Anders als du und ich" aufgegriffen hat, sondern weil Harlans Behandlungsweise dieses Themas – das Drehbuch stammt übrigens von Dr. Felix Lützkendorf – so undelikat ist. Selbst, wer nur etwas von der einschlägigen Literatur von Plato über Freud bis zu Thomas Mann gelesen hat, kann mit dem Finger auf all die Szenen zeigen, in denen dieser Film unbekümmert Halbwahrheiten verbreitet. Die Ausfälle gegen Intellektuelle kommen aus Harlan’schem Ressentiment. Platonisch inspirierte Primaner müssen zum Beispiel partout begabt sein, das zu produzieren, was Harlan und sein Drehbuchautor für Lyrik halten. Daß bei Harlans Routine und gelegentlicher Könnerschaft sich ein paar gute Darsteller entfalten können, ist ein zu schwacher Trost. Ein Wiener Kritiker schrieb bei der Uraufführung böse, daß diesem Regisseur die Homosexuellen jetzt das geworden seien, was ihm früher Kommunisten und Juden waren. (Barke-Kino, Hamburg.) M. V.