M. A., Rangun, im November

Burma ist ein verhältnismäßig reiches Land, das aber seinen Reichtum nicht voll entfalten kann, weil die Kriegseinwirkungen (allein fünfzig Städte wurden damals dem Erdboden gleichgemacht) und die Partisanenkämpfe der Nachkriegsjahre noch ernsthafte Schwierigkeiten bereiten. Besonders das Verkehrswesen litt durch die Ereignisse, und der Wiederaufbau geht nur sehr langsam vor sich, zumal die Rebellenkämpfe noch nicht ganz abgeschlossen sind. Es handelt sich hauptsächlich um Reste der nationalchinesischen Armee, die den Norden des Landes unsicher machen. Rotchina hat ihnen zwar Amnestie angeboten, aber sie scheinen ihren Landsleuten von der "kommunistischen Feldpostnummer" so wenig zu trauen wie der Tschiangkaischek-Regierung, die ihnen empfohlen hat, sich nach Formosa zurückzuziehen. Burma selbst hat, buddhistischer toleranter Tradition gemäß, den chinesischen Landsknechten angeboten, sich im Lande niederzulassen.

Inzwischen sind einige der zerstörten Städte wiederaufgebaut worden, und das zweite große Programm – die Verteilung von Land an Bauern und Landarbeiter – wurde bereits vielversprechend gestartet. Schwierigkeiten bereitet noch die Verteilung von Landmaschinen und Vieh. Daher wird diese Landreform in zwei Phasen durchgeführt: Gruppen von jeweils zehn bis fünfzehn Bauern erhalten gemeinsam Geräte, Samen und Düngemittel und bearbeiten das ihnen zugewiesene Land mit gegenseitiger Hilfe; in der zweiten Phase bilden sie Genossenschaften, wobei die Regierung ihnen feste Abnahmepreise garantiert. Das gesamte Landreformprojekt soll in fünf Jahren beendet sein. Die Bauern Burmas (80 v. H. der Bevölkerung lebt auf dem Lande) sind mit diesem Programm sehr zufrieden, denn es verschafft ihnen eine stabile Sicherheit. Und die Regierung schlägt neben der wirtschaftlichen auch noch die politische Fliege mit der Klappe: nämlich die Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern. Mit der industriellen Entwicklung sieht es nicht ganz so rosig aus. Vor dem Kriege exportierte Burma drei Mill. t Reis, etwa 1 Mill. t Erdöl, 150 000 t Blei- und Zinkkonzentrate, sechs Mill. Unzen Silber, 400 000 t Teakholz und große Mengen Zinn und Wolfram. Mit Ausnahme von Reis sind diese Zahlen noch nicht wieder erreicht worden. Die Erdölproduktion reicht knapp für den eigenen Bedarf. Blei, Zink und Silber werden nur zu einem Drittel der Vorkriegsmenge gefördert. Die Zinn- und Wolframminen arbeiten überhaupt noch nicht. Das wertvolle Teakholz kann wegen der Unsicherheit im Landesinnern und der Unzulänglichkeit der Transportmöglichkeiten nur in geringer Menge die Sagemühlen von Rangun und Moulmein erreichen. Die Reisausfuhr allerdings verzeichnet einen Aufstieg von 40 auf 80 v. H. der Exporteinnahmen.

Die Regierungspläne für eine intensive Industrialisierung haben aber doch schon einige Erfolge zu verzeichnen: Eine Seidenspinnerei unter japanischer Assistenz, eine Büchsenmilchfabrik mit dänischer Hilfe, eine Textilfabrik unter britischer Leitung und ein Stahlwerk mit deutscher Mitarbeit (das vorerst noch den im Lande herumliegenden, Kriegsschrott verarbeitet, später dann auf Eisenerzimporte angewiesen sein wird). Im Bau sind ein hydroelektrisches Werk, die Erweiterung der Rangun-Universität, neue Rundfunkstationen und viele andere Projekte. Bei all diesen Plänen leistet die Regierung als Teilhaber wertvolle Mitarbeit, die Burma zu dem verhelfen wird, was es für sich wünscht: ein friedliches Land zu sein, wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit zu wahren und im Geiste buddhistischer Toleranz alle menschlichen und politischen Richtungen zu dulden.