Mit Spannung wurde in Polen eine Zeitschrift erwartet, die den Namen Europa tragen und in diesem Monat zum erstenmal erscheinen sollte. Eine Reihe prominenter Autoren in Amerika, England und Frankreich waren als Mitarbeiter aufgefordert worden, denn die neue Zeitschrift sollte die Verbindung zur westlichen Literatur herstellen. Aber nachdem unlängst die Studentenzeitung Po Prostu verboten wurde, ist nun dieser neue Versuch, die tödliche Enge kommunistischer Dogmatik zu durchstoßen, bereits im Keime erstickt worden. Der Zensor hat die erste Nummer von Europa noch vor ihrem Erscheinen beschlagnahmt mit der Begründung, die Linie passe ihm nicht. Der Chefredakteur Jerzy Andrezejewski, ein bekannter Schriftsteller, und drei andere namhafte Publizisten sind daraufhin demonstrativ aus der kommunistischen Partei ausgetreten. Alle vier hatten eine große Rolle beim Umschwung im vorigen Jahr gespielt und wesentlich dazu beigetragen, größere geistige Freiheiten für die polnische Intelligenz zu erkämpfen.

Armes Polen! Es scheint, daß das Morgenrot an seinem geistigen Himmel schon wieder verblaßt und die Dämmerung barbarischen Parteistumpfsinns sich wieder über ein Volk zu senken beginnt, dessen Sehnsucht doch nur ein Ziel hat: endlich aus der Beschränktheit parteidoktrinärer Fesselung herauszukommen. D.