Die vom Bundesernährungsminister h. e. Lübke und Staatssekretär Dr. Sonnemann am 12. November in Bonn mit großem Propagandaaufwand gestartete Werbeaktion für einen verstärkten Schweinefleischabsatz ist erst einmal wie das berühmte "Horneberger Schieten" ausgegangen. Selbst das fachmännische Ausschlachten eines marktgängigen Schweines vor Presse, Rundfunk und Fernsehen konnte die Hamburger Schlachterinnung nicht von der Erklärung abhalten, daß von einem Trend zur Verbilligung des Schweinefleisches überhaupt nicht die Rede sei, Die Schlachterexperten der immerhin größten Stadt des Bundesgebietes wiesen nach: die Marktlage ist gerade umgekehrt, wie sie von Bonn dargestellt wird, und in den letzten Wochen sind die Preise für Schweinefleisch sogar noch gestiegen.

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In Mainz hat jetzt der Rundfunk-Einzelhandel einen bescheidenen Versuch gemacht, die Parole "Herunter mit den Verbraucherpreisen" zu verwirklichen. Seit Mitte des Monats geben sie den Käufern neuer Geräte Gelegenheit, auf den sonst üblichen Kundendienst zu verzichten. Dadurch wird im günstigsten Fall ein um 15 v. H. geringerer Verkaufspreis erreicht. Als bescheiden muß dieses "Entgegenkommen" der Radiohändler deshalb bezeichnet werden, weil nahezu kaum ein Käufer auf den selbstverständlichen Kundendienst (also Garantiereparaturen mit Ab- und Antransport der Geräte) verzichten kann. Eindrucksvoller wäre es schon gewesen, wenn sich die Mainzer Radiohändler entschlossen hätten, auf einen Teil ihrer reichlich hohen Handelsspanne zu verzichten, um ein gutes Beispiel zu geben. Vielleicht wäre dann auch der übrige Rundfunk-Einzelhandel im Bundesgebiet diesem mutigen Schritt gefolgt, vielleicht hätte sich sogar der Schreibmaschinen-Einzelhandel, für den ähnliche Voraussetzungen vorliegen, angeschlossen ...