Kann die Mathematik der Medizin helfen? Von Siegfried Lehnigk

In Ihrer Aufsatzfolge "Kampf gegen den Krebs" finden sich diese außerordentlich wichtigen Sätze: In einem gesunden Körper stehen Gewebe und Organe in einem bestimmten Gleichgewicht; eine sorgfältig geregelte Zellteilung garantiert einwandfreies Funktionieren aller Organe, indem beschädigte oder verbrauchte Zellen durch neue, gesunde Zellen ersetzt werden. Dieser sorgfältigen Regelung entzieht sich die Krebszelle Die Worte "geregelt" und "Regelung" verdienen die größte Beachtung. Ich bin kein Mediziner, sondern Mathematiker und beschäftige mich vornehmlich mit Problemen der automatischen Regelung. Ich kann daher nicht zu dem rein medizinischen Problem des Krebses Stellung nehmen. Doch möchte ich die Frage stellen: Ist der Versuch schon unternommen worden, die Erscheinung "Krebs" einmal konsequent unter dem Gesichtspunkt der automatischen Regelung zu sehen?

Ich habe mich mit Untersuchungen beschäftigt, die darauf hinzielen, Vorgänge innerhalb des Organismus in die Sprache der selbsttätig geregelten Prozesse zu übertragen. Leider war es mir nicht möglich, die notwendige Zusammenarbeit mit Medizinern oder Pharmakologen herzustellen – in unserer kleinen Stadt gibt es keine Spezialisten, die dafür in Frage kämen.

Ich verweise auf eine Gemeinschaftsarbeit über das Problem "Dosis und Wirkung", die mir ein schönes Beispiel zu sein scheint für die großen Möglichkeiten einer derartigen Betrachtungsweise (H. Druckrey und K. Küpfmüller: "Dosis und Wirkung" in Die Pharmazie, 8. Beiheft, 1. Ergänzungsband).

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie meine Frage an solche Mediziner übermitteln würden, die bereit wären, einmal darüber nachzudenken.