Der Beschluß der Verwaltung der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG, Hamburg, für 1956/57 (30. 6.) bei einer Dividende von 8 v. H. zu bleiben, hat in Kreisen der Aktionäre eine tiefe Enttäuschung ausgelöst. Der Kurs der HEW-Aktien wurde um einige Punkte zurückgenommen. Während die Nordwestdeutsche Kraftwerke AG schon in 1955/56 (30. September) eine Dividende von 9 v. H. erwirtschaften konnte, war es der HEW-Verwaltung wegen des progressiven Anwachsens der Kosten nicht möglich, über 8 v. H. hinauszugehen, obwohl sich der Stromabsatz günstig entwickelt hat. In dem Kommuniqué über die Bilanzsitzung des AR heißt es: "Zugleich kam die Entscheidung über die Beibehaltung einer Dividende von 8 v. H. dem naheliegenden Interesse an einer möglichst gleichmäßigen Gewinnausschüttung entgegen." Der AR bestellte in der gleichen Sitzung Dr. Gerhart E. von Malaisé zum ordentlichen Vorstandsmitglied, und RA Dr. Claus Hagemann und Dipl.-Ing. Max Stegemann zu stellv. Vorstandsmitgliedern.

Bei der Bergbau-AG Lothringen, Bochum, wird, auf der kommenden HV auf Grund des Übergangs der Mehrheitsbeteiligung von der Wintershall-Gruppe auf die Arbed-Gruppe über einen Organschafts-, Gewinn- und Verlustübernahmevertrag zwischen dem Eschweiler Bergwerksverein und der Gesellschaft beschlossen werden. Seit dem 2. April 1957 ist Helmut Burckhardt, Generaldir. des Eschweiler Bergwerksvereins, Vorsitzender des AR. Gleichzeitig wurde Günther Venn in den Vorstand berufen und anschließend zum Vorsitzenden bestellt. Der auf den 21. November einberufenen oHV wird vorgeschlagen, wieder 5 v. H. Dividende zu zahlen.

Die Farbenfabriken Bayer AG, Leverkusen, hat ihren Werksangehörigen. jetzt das bereits angekündigte Angebot zum Erwerb von Belegschaftsaktien unterbreitet. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Ankaufsberechtigung geändert. Bisher konnte jeder zum Erwerb von Aktien berechtigte Werksangehörige mit einer Jahresprämie oder Sondervergütung von nicht mehr als 300 DM bis zu diesem Betrag Aktien zum Kurse von 150 v. H. erwerben. Diese Ankaufsberechtigung gilt nunmehr bis zum Betrage von 400 DM. Für die diese Summe übersteigenden Beträge werden die Belegschaftsaktien wie bisher zum Kurse von 160 v. H. abgegeben. Die Aktien sind erstmals für das Geschäftsjahr 1957 dividendenberechtigt. Schon heute ist die Belegschaft zusammengenommen der größte Bayer-Aktionär.

Bei der Bayerischen Motorenwerke AG (BMW), München, hat der Bremer Kaufmann Hermann Krages, um den es in letzter Zeit sehr still geworden ist, durch Aktienkäufe ein entscheidendes Mitspracherecht erworben. Krages hat sich offenbar in die Kreditbemühungen der Gesellschaft eingeschaltet, bei denen es sich um einen Betriebsmittelkredit von 30. Mill. sowie um einen Investitionskredit von 20 Mill. DM handeln soll. Die Auflegung einer Wandelanleihe von 15 Mill. sowie eine Kapitalerhöhung wird erwogen. Es wäre zu wünschen, wenn es der Kapitalkraft von Krages gelingt, der Gesellschaft endlich eine gesunde finanzielle Basis zu geben. Bei BMW wird sich außerdem zeigen, ob Krages, der jahrelang durch seine Großspekulationen die Börsen in Atem hielt, in der Lage ist, konstruktive Aufbauarbeiten zu leisten.

Von der Erin Bergbau AG, Castrop-Rauxel, die sich zu 34 v. H. im. Besitz der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Essen, und zu 51 v. H. in Händen der August Thyssen-Hütte, Duisburg-Hamborn, befindet, und die in der Vergangenheit lange Zeit im Mittelpunkt der Krageschen Montanspekulatonen stand, wird jetzt der Geschäftsbericht für die Zeit vom 1. April 1956 bis zum 31. März 1957 vorgelegt. Dem mit den Großaktionären abgeschlossenen Organschaftsvertrag zufolge, erhielten die freien Aktionäre für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 16 v. H. In der Berichtszeit betrug die Förderung 1,22 (1.18) Mill. t Kohle. Es ist zu vermerken, daß der Förderzuwachs von Erin von 3,1 v. H. um einen Punkt höher liegt als der durchschnittliche Förderzuwachs des Ruhrbergbaues (2,0 v. H.). AR-Vors.: Dr. Werner Haack, Dortmund; Vorstand: Karlhans Knepper, Dr. Otto Jena und Wilhelm Ebbert.

Philips-Zentrallaboratorium In Hamburg. Die Allgemeine Deutsche Philips Industrie GmbH (Alldephi) errichtet in Hamburg eine Zentralforschungsstätte, deren erstes Laboratorium in diesen Tagen offiziell in Betrieb genommen wurde. Wie die Gesellschaft mitteilt, wird das Zentrallaboratorium in der Endstufe des Aufbaues in einigen Jahren acht bis neun Laboratorien umfassen. Seine Aufgaben liegen in der Forschung auf weite Sicht. Zur Zeit stehen im Vordergrund der Arbeiten die Halbleiter-, Mikrowellen- und die Bildröhrenforschung sowie die Automation. Im Rahmen des Zentrallaboratoriums wurde bereits vor einem Jahr in Aachen mit der Forschung begonnen. Das dortige Labor dient jedoch unmittelbar der Arbeit der Philips-Konzern-Forschungsstätten in Eindhoven (Niederlande). Daneben arbeitet seit längerer Zeit in Hamburg ein lichttechnisches Forschungslaboratorium. In den drei Arbeitsstätten arbeiten bereits jetzt rund 150 Wissenschaftler und Angestellte. Die wissenschaftliche Leitung des Gesamtkomplexes liegt in Händen von Prof. Dr. Fritz Borgnis, einem Spezialisten für Elektronik.

Die Süddeutsche Zucker AG, Mannheim, will eine auf 10 v. H. erhöhte Dividende für das Geschäftsjahr 1956/57 vorschlagen.

Telefunken: In 10 Jahren 2 Millionen Rundfunk- und Fernsehgeräte. Im Hannoverschen Werk der Telefunken GmbH, in dem in der Saisonspitze über 4000 Arbeitskräfte (62 v. H. Frauen) beschäftigt sind, wurde das neue Bürohaus nebst Zentrallager seiner Bestimmung übergeben. Als eines der größten Unternehmen der niedersächsischen Hauptstadt ist Telefunken auch eines der modernsten Rundfunkwerke Europas. Rund 40 000 qm Arbeitsfläche stehen zur Verfügung, das ist das Vierfache von 1946. Seit dem Beginn der Fertigung von Rundfunkgeräten in Hannover im Juni 1947 und der Produktion von Fernsehgeräten im Geschäftsjahr 1952/53 wurden in diesem Werk mehr als zwei Millionen Geräte hergestellt. Daneben werden hochqualifizierte Teile für die Rundfunk- und Fernsehindustrie im In- und Ausland produziert. Die Fertigung von Phonogeräten wurde 1953 nach Berlin verlegt. Die Telefunken-Verwaltung richtet ihr besonderes Augenmerk in Hannover auf die weitere Automatisierung der Anlagen; der Ausbau wird sich über einige Jahre erstrecken.