Eine besondere Anerkennung möchte ich Ihnen noch für Ihre Ausführungen über "Gemischte Kapitalanlagen" in der Nr. 42 aussprechen. Halten alle Kapitalanleger – auch sozusagen kleinsten Format? – von jeher diesen eigentlich wichtigsten Grundsatz jeder Kapitalanlage-Beratung beherzigt, dann wären nicht ganze Vermögen in den beiden Währungskrisen unserer Generation so völlig zerstört worden. Allerdings scheint mir Ihre Meinung, 1000 DM Sparguthaben als sofort greifbare Reserve sei mit Rücksicht auf Zinsverlust ausreichend, etwas zu optimistisch. Industrie-Obligationen sind allerdings zur Zeit jederzeit verkäuflich, aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Die Warnsignale Siemens Glas, Henschel, Marswerke sind nicht zu übersehen.

Ich habe es erlebt, daß ich für 100 Tonnen Kohlenwertanleihe der Wenzeslausgrube nichts bekam, andere Industrieobligationen sanken beinahe ins Bodenlose, die Reichsanleihe-Altbesitz stand auf etwa 30 v. H., Montanaktien hatten ähnliche Kurse. Es erscheint mir unwahrscheinlich, daß der wirtschaftende Mensch sich inzwischen so zum Beherrscher des Wirtschaftsorganismus entwickelt haben soll, um derartige Krisen völlig zu vermeiden. Die Kurseinbrüche z. B. auf dem Markt der Pfandbriefe im letzten Jahr sprechen eine beredte Sprache, die Industrie-Obligationen können einmal ähnlich betroffen werden.

Dagegen hilft meines Erachtens nur unter Hintanstellung allen Währungsrisikos eine flüssige Anlage in täglich fälligen Sparguthaben von etwa 25 v. H. der Gesamtanlagen, natürlich nicht auf einem Sparbuch bei nur einer Sparkasse, sondern ebenfalls verteilt. Dr. K. K., Wiesbaden

Antwort: Ihr Brief bestätigt wieder einmal, welche (berechtigte) Empfindlichkeit zwei Geldentwertungen beim deutschen Sparer hinterlassen haben. Geblieben ist die Abneigung gegen langfristige Anlagen, auf die sich der Kapitalmarkt inzwischen aber sehr weitgehend eingestellt hat, indem die Laufzeiten der Anleihen und Pfandbriefemissionen stark verkürzt wurden. Insofern ist die Empfindlichkeit nicht unbedingt ein Nachteil. Wir halten sie sogar deswegen für ein Plus, weil, sie die Wachsamkeit allen Währungsexperimenten gegenüber schärft. Wie Sie sicher bei vielen Gelegenheiten bemerkt haben, ist DIE ZEIT in Währungsfragen sehr kritisch – eine Haltung, die uns nicht nur Freunde eingebracht hat, besonders als wir uns rückhaltlos für die unbedingte Unabhängigkeit der Notenbank einsetzten. Aber wir glauben, wenn es um unsere Währung geht,, lieber übervorsichtig sein zu sollen als umgekehrt.

Wenn nun in unserer Ausgabe Nr. 42 der Vorschlag gemacht wurde, nur 1000 DM als sofort greifbare Reserve zu halten, dann glauben wir, daß im Augenblick das Währungsrisiko nicht zu größeren Vorsichtsmaßnahmen zwingt. Es ist Ihr gutes Recht, anderer Ansicht zu sein, und wir wollen auch keineswegs behaupten, daß unser Vorschlag zur Kapitalanlage für jeden Fall und für jede Zeit richtig ist. Ein guter Hausvater wird immer von Zeit zu Zeit überprüfen, ob Korrekturen notwendig sind.