Manchem mag es nicht viel ausmachen, jeden Tag um vier in der Frühe geweckt zu werden; für die meisten aber ist es, je länger, desto mehr, ein böses Leben, und der Ton der Weckuhr ist ihnen wie Geklirr von Sklavenketten.

Eine große Tageszeitung wurde den Beziehern gegen elf Uhr des Vormittags zugestellt, mit den neuesten Meldungen aus aller Welt; und hatte der Ätna Feuer gespuckt, während sie die Frühstückssemmeln schmausten – fürs Mittagessen gab das schon einen Gesprächsstoff her!

Das zu ermöglichen, mußten die Leute, die die Zeitung machten, beim Morgengrauen aus den Federn, um ihre Arbeitsplätze aufzusuchen. Da saßen sie dann, Stapel von Geschriebenem vor sich, rieben sich den Schlaf aus den Augen, kratzten sich das unrasierte Kinn, schieden das Wichtige vom Unwichtigen, erfanden fette Schlagzeilen, und rauchten, und gähnten. Mählich wurden sie dann munter, und wenn die erste druckfeuchte Nummer vor ihnen lag, waren sie springlebendig geworden, wie die Heuschrecken in der Sommerwiese.

Der Zeitung, es war erstaunlich, merkte man es nicht an, unter welcher Bedrängnis sie hergestellt worden war.

Der Doktor Ehm, klein und spitzbärtig, Witwer und kinderlos, war schon lang ein wichtiges Rad in dem nächtlichen Getriebe. Er war einer, der gelernt hatte, sich ins Joch des "Früh ins Bett und früh heraus" zu fügen.

"Schaut die Hühner an", pflegte er zu sagen, "die machen es ebenso, und sind ihre Eier nicht köstlich?" Er dachte dabei an seine Zeitung.

Er dachte immer an seine Zeitung. Einsiedlerisch lebte er, mit vielen Büchern, und den Frauen ging er aus dem Wege. Jeden Spätnachmittag suchte er seine Stammkneipe auf, saß allein vor seinem Glas und langweilte sich gar nicht. Wenn der erste der Freunde kam, hatte er schon vorweggenommen, was ihm zustand an abendlichem Wein.