Die Teilnehmer der diesjährigen Delegiertenversammlung der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels in Köln sind, wenn man dem wiedergewählten Präsidenten Hans Schmitz (Godesberg) glauben darf, zufrieden über die "gelungene organisatorische Festigung der Hauptgemeinschaft" wieder hinter ihre Ladentheken zurückgekehrt. Diese Zufriedenheit ist sicher das Ergebnis eines Kompromisses zwischen jenen, die "Föderalismus in etwas strafferer Form" – also eine größere sachliche und finanzielle Bewegungsfreiheit der Hauptgemeinschaft – wollten, und denjenigen, die lieber eine finanziell schwache Spitze zugunsten stärkerer Einzelorganisationen beizubehalten wünschten. In Köln hatte man die Satzungen geändert. Präsident Schmitz hat seinen im Zusammenhang mit den angesammelten Konfliktstoffen angedrohten Rücktritt nicht wahrzunehmen brauchen. Die Sensation im Einzelhandel ist ausgeblieben. An der Spitze hat sich personell nichts geändert.

Man wird daraus schließen dürfen, daß auch die berufspolitische Linie der Hauptgemeinschaft nicht nur beibehalten, sondern verstärkt wird. Diese Linie ist am besten mit der Formel "Verzicht auf Holzhammermethoden" gekennzeichnet. Die Hauptgemeinschaft zählt nicht zu den "scharfen" Interessentengruppen. Ihre Politik ist von zünftlerischen Entgleisungen heute ebenso frei wie von unerfüllbaren wirtschafts- und steuerpolitischen Forderungen. Nach der jüngsten Delegiertenversammlung ist zu hoffen, daß der bisherige wirtschaftspolitische Realismus der obersten Einzelhandelsführung auch nach unten durchschlägt.

Was man sich davon zu versprechen hat, erläuterte außerhalb der offiziellen Beratungen ein führender Einzelhändler am Beispiel der Abwehrmöglichkeiten des Einzelhandels gegenüber den Wettbewerbserschwerungen durch die Direktverkäufe von Industrie und Großhandel. Der in seinen eigenen Reihen heute sicher noch als Selbstzerstörer der Einzelhandelsfunktionen geltende Kaufmann meinte, der Wettbewerb erzwinge vom Einzelhandel eine Reaktion, die sich in einer Preissenkung durch Verzicht auf den jetzt noch üblichen Kundendienst äußere.

Die in dieser Auffassung erkennbare Abkehr vom zementierten Funktionsdenken und die Hinwendung zu einem dynamischen Wettbewerbsdenken gewinnt heute in weiten Kreisen des Einzelhandels an Einfluß. Die Einzelhändler täten gut daran, diesem neuen Stil weiter zu folgen. Die ökonomische Umwelt verändert auch die Formen des Verkaufes. Die Kaufleute, die dies rechtzeitig erkennen und sich betriebswirtschaftlich früh genug, darauf einstellen, werden überleben. Die anderen werden in ihrem Formalismus ausgehungert werden. M. D.