Das ist nun wirklich unfair. Sie nennen mich einen von Ihnen geschätzten Autor, mit dem Sie ungern streiten. Und dabei stritte ich mich vielleicht gern mit Ihnen, obwohl ich noch immer nicht Sie zu kennen das Vergnügen habe. Ein bißchen Streit kann nicht schaden. Der Ton Ihres Artikels hat sich jedoch so sehr geändert, ist nun schon beinahe so, wie ich mir den Ton einer großen Zeitung vorstelle, so daß ich nicht einmal mehr mit einem kleinen Gesangbuch daraufhin Sie aufs Haupt schlagen möchte – geschweige denn mit der Bibel.

Referieren wir kurz, worum es sich eigentlich handelt: Ich hatte mir einige Mühe gegeben, von großen deutschen Buchhandlungen zu erfahren, was bei ihnen die jeweils bestverkauften Bücher des Monats sind. Seit einigen Monaten stellen wir diese Bücher unter dem Titel "Seller-Teller" zusammen. Manche Leute finden diesen Titel dumm – andere finden das ganze Unternehmen dumm – und wieder andere haben, wie ich, Vergnügen daran.

Vielleicht überwiegt das Vergnügen. Jedenfalls werden unsere Seller-Teller-Ergebnisse offenbar weidlich ausgeschlachtet. Je nun, wir hatten nicht daran gedacht, uns das Ganze "gesetzlich schützen" zu lassen. So originell ist es ja schließlich gar nicht. Das einzige, was es, wenn nicht originell, so doch verhältnismäßig selten macht, ist unser hartnäckiges Festhalten an der Absicht, keine, aber auch gar keine wie immer gearteten "Absichten" damit zu verfolgen, sondern unseren Lesern schlicht mitzuteilen, was nun die fünf jeweils bestverkauften Bücher des Monats" sind.

Gerade dort hakten Sie ein, mein Freund AB-Merkur, indem Sie bei Ergebnissen, die den unseren zum Verwechseln ähnlich sehen, von "Drahtziehern" sprachen, die unappetitliches Zeug "zusammenkochen". Und dagegen mußte ich mich verwahren.

Nun sagen Sie freundlicherweise, Sie hätten von meinem Baby gar nicht geredet, als sie feststellten, "das Kind schielt". will Ihnen das glauben. Ich bin immer dafür, zunächst einmal zu glauben – bis ich dann drastisch eines Schlechteren belehrt werde. Was ich Ihnen nicht ganz abnehme, mein Freund AB-Merkur, ist die Behauptung, Sie kannten den Seller-Teller der ZEIT nicht. Auch brüllten damals Ihre Sturmgeschütze so laut, daß ich es noch heute schwer finde, mir als Ziel eine kleine, auf Seite 7 der Süddeutschen Zeitung beinahe versteckte Mel-> dung vorzustellen. Je nun, begraben wir das Kriegsbeil – für diesmal.

In der übernächsten Nummer der ZEIT erscheint also – wie immer in der ersten Nummer des Monats – wieder unser Seller-Teller, und alle, die daran arbeiten, dürfen das in dem schönen Gefühl tun, daß nicht einmal der ‚Rheinische Merkur‘ etwas dagegen einzuwenden hat.

R. W. Leonhardt