Zwei Unternehmen der Büromaschinenindustrie

haben jetzt eine enge Zusammenarbeit beschlossen: Ein Organvertrag zwischen der Brunsviga Maschinenwerke AG in Braunschweig und ihrem Hauptaktionär, der Olympia Werke AG in Wilhelmshaven, soll die Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen herstellen. Anfang dieses Jahres besaß Olympia – eine hundertprozentige Tochter der AEG – eine qualifizierte Minderheit des Aktienkapitals der Brunsviga. Aber auch die Diehl-GmbH in Nürnberg hatte einen Teil der im Streubesitz befindlichen Brunsviga-Aktien aufgekauft. Im Sommer dieses Jahres übernahm Generaldirektor Wussow von der Olympia den Aufsichtsratsvorsitz in der Brunsviga, während der AR-Vorsitzende der Diehl-GmbH, Georg Seebauer, stellv. AR-Vorsitzender bei Brunsviga wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Beteiligung der Olympia-Werke am AK der Brunsviga von 6 Mill. DM auf etwa 46 v. H. geschätzt und die der Firma Diehl auf rund 35 v. H. Vor kurzem hat nun die Diehl-GmbH das Rennen um den Brunsviga-Einfluß aufgegeben. Auf einer Pressekonferenz der Olympia in Hannover sagte Generaldir. Wussow: "Im freundschaftlichen Einvernehmen mit der Diehl-GmbH wurden deren Brunsviga-Aktien übernommen, so daß Olympia nunmehr über eine Beteiligung von 8,5 Prozent verfügt."

Ein Organvertrag zwischen Olympia und Brunsviga ist am 5. November abgeschlossen worden und soll der Brunsviga-Hauptversammlung am 4. Dezember vorgelegt werden. Durch diesen Organvertrag mit Ergebnisausschluß hat die Olympia den freien Aktionären der Brunsviga gegenüber die Verpflichtung übernommen, diesen für jedes volle Geschäftsjahr der Brunsviga einen Garantiebetrag zu zahlen. Der Betrag soll dem von der AEG an deren Aktionäre gezahlten Dividendensatz entsprechen. Die Olympia ist darüber hinaus bereit, die Aktien der Brunsviga zum Kurse von 220 v. H. zu erwerben. Dieser Kurs liegt zwar unter dem höchsten Börsenkurs dieses Jahres; doch wird das Angebot der Olympia von der "Treuhandgesellschaft des deutschen Wertpapierbesitzes GmbH" Düsseldorf, deren AR-Vorsitzender der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Dr. Johannes Semler, ist, als eine "nicht nur angemessene, sondern auch eine faire Entschädigung" der ausscheidenden Aktionäre bezeichnet.

Es wäre sicher übertrieben, in dieser Beteiligung der Olympia-Werke an der Brunsviga den Anfang einer weitgespannten Konzentration, in der deutschen Büromaschinenindustrie zu sehen. Den Olympia-Werken scheint es einfach um die Ergänzung ihres Fertigungsprogramms durch die Rechenmaschine zu gehen. Sie haben bereits eine herstellungsreife Neukonstruktion vorliegen und standen vor der Frage, für deren Fertigung entweder eine neue Fabrik zu errichten oder sich an einem Unternehmen, das Rechenmaschinen herstellt, zu beteiligen. In der Brunsviga sahen sie ein geeignetes Objekt. Die bisherigen Verhältnisse bei Brunsviga waren gekennzeichnet durch hohe Marktanteile auf Grund guter Vorkriegskonstruktionen. Deshalb wies die Gesellschaft auch hohe Erträge aus (für 1956 wurde eine Dividende von 9 v. H. gezahlt). Durch das Aufholen der internationalen Konkurrenz und das Aufkommen der Massenproduktion hätten sich jedoch – so meinte Joachim Wussow – Gefahrenmomente ergeben, über die bereits bei dem früheren AR der Brunsviga Klarheit bestanden habe. Daneben sei es für ein Büromaschinenwerk entscheidend, über ein möglichst breites Sortiment nach neuestem Entwicklungsstand zu verfügen. Es ist daran gedacht, die Werkskapazität von 2000 Arbeitsplätzen der Brunsviga voll auszuwerten. Interessant ist die Frage, welche Zusammenarbeit sich über die Brunsviga zwischen der Olympia und der Firma Diehl in Nürnberg ergeben wird. Der AR-Vorsitzende der Diehl-GmbH sagte auf der Pressekonferenz in Hannover, seine Firma werde ihre inzwischen in die Brunsviga gegebenen langfristigen Aufträge nicht wieder herausnehmen. Generaldir. Wussow ergänzte, daß der Kontakt mit der Firma Diehl mit der Transaktion des Aktienpaketes nicht abgeschlossen sei. -td