DIE ZEIT

Armes Polen

Mit Spannung wurde in Polen eine Zeitschrift erwartet, die den Namen Europa tragen und in diesem Monat zum erstenmal erscheinen sollte.

Sichert die Abgeordneten!

Das Angebot an qualifizierten Parlamentariern geht von Wahl zu Wahl zurück. Ein führender Parlamentarier sagte kurz vor den Bundestagswahlen gesprächsweise: „Die Guten verlassen uns, die Unzulänglichen drängen herein.

Gebt dem Staate, was des Staates ist!

Wenn ich, der ich mich leidenschaftlich dagegenverwahre, daß der Staat als Selbstzweck und abseits vom Wohle des Volkes ein Eigenleben führen dürfe, die These vertrete: „Gebt dem Staate, was des Staates ist!“, dann tue ich das aus echter Sorge, weil ich spüre, daß mein Streben, das Individuum zum Bewußtsein seiner selbst, zur freien Entfaltung, aber auch zur Eigenverantwortlichkeit zu führen, in der jüngsten Entwicklung mißverstanden zu werden droht.

Solidarität, aber zu welchem Zweck?

Während sich in Moskau die kommunistischen Führer der Welt versammeln, um ihre Politik wieder einmal zu koordinieren, war die Versammlung der westlichen Allianz in Paris, die dem gleichen Zweck dienen sollte, ein Schlag ins Wasser.

Ein großer deutscher Jurist

In den sonnenbeglänzten Frühlingstagen des Jahres 1916 pflegte der kriegsgefangene Fliegeroffizier Alexander Moissi seinen Mitgefangenen zuweilen den Hamlet zu rezitieren.

ZEITSPIEGEL

Sehr unterschiedlich, aber auch recht bezeichnend waren die Aufschriften auf den Kränzen, die von den ausländischen Delegationen anläßlich der Vierzigjahrfeiern der Oktoberrevolution in Moskau im Stalin-Mausoleum niedergelegt wurden: Die Jugoslawen und Polen legten Kränze mit der kurzen Aufschrift nieder: „Dem großen Lenin“.

Laval und die Besatzungszeit

In Kalifornien steht ein sechzehnstöckiger Turm, der wohl die größte Sammlung von Büchern, Zeitschriften und Dokumenten zur Geschichte unserer Zeit enthält: die von dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Hoover begründete Hoover Library.

Unruhe an der Saar

Die strenge Kontrolle französischer Zollbeamten an der saarländisch-deutschen Landesgrenze bringt es jedem, der es vergessen haben sollte, in Erinnerung, daß das jüngste Bundesland seit dem 1.

Werner Naumann will Geld

Am 14. Januar 1953 wurde ein biederer Bürger namens Werner Naumann von der britischen Besatzungsmacht wegen politischer Verschwörung und Geheimbündelei verhaftet.

Unerfreulicher Auftakt für Heuss

Kurz vor dem Staatsbesuch des deutschen Bundespräsidenten in Rom hat eine gegen Bonn gerichtete Kampagne der italienischen Presse einen rechten Mißton in die Harmonie gebracht, die bisher zwischen beiden Ländern besteht.

Budjenny ist traurig

Lebhafte Kritik an den dreimal wöchentlich stattfindenden Pferderennen auf der Moskauer Rennbahn übte die Sowjetskaja Kultura.

Heim-Goslich-Team gerettet

Der 32jährige Göttinger Physiker Burkard Heim hat eine Theorie entwickelt, nach der es möglich sein soll, Lichtwellen in mechanische Kraft umzusetzen.

Die Rolle der Armee in der Sowjetunion

Die Rivalität zwischen Parteiapparat und Armeeführung, der jetzt Marschall Schukow zum Opfer fiel, hat sich durch alle vier Jahrzehnte der sowjetischen Geschichte gezogen, ist also so alt wie die Sowjetunion selbst.

Trommelfeuer aus Papier

Die Sowjets scheinen, im Gegensatz zu unseren NATO-Verbündeten, die Bundeswehr für sehr gewichtig zu halten. Dies geht hervor aus ihren umfangreichen Bemühungen, die junge Truppe mit propagandistischen Kampfmitteln zu „zersetzen“.

Novemberglück

Es taumeln die letzten Blätter durch den Abend. Ein ganz, ganz kleiner Schimmer von Weihnachten lugt aus den festlichen Augen der Schaufenster.

Wissenschaft versagt

Ich muß es als Fachmann bedauern, daß ein Blatt Ihres Niveaus sich veranlaßt fühlte, ein ärztlich wissenschaftliches Problem wie die Krebsfrage in einer solchen Form vor ein breiteres Publikum zu bringen.

Junge deutsche Farbdenker

Daß ein künstlerisches Prinzip nach Ablauf von nur vier Jahren die gesamte westliche Welt interessiert, ja sogar Länder wie Polen für sich gewinnt, ist in der modernen Malerei ungewöhnlich.

Große gynäkologische Fortschritte

Es gehört eine große Überwindung für einen Forscher dazu, die Bedenken abzutun, die einem solchen Unternehmen entgegenstehen.

Nach Ehrenburgs Tauwetter

Politischer Kurs und Kunststil – das zwanzigste Jahrhundert hat bisher genügend Beispiele für ihre Verkoppelung geliefert. Doch noch niemals, auch zu Hitlers Zeiten mit ihrer Blut-und-Boden-Literatur nicht, war dem Kunstschaffenden so genau vorgeschrieben, was er zu tun oder zu lassen hat, wie es der sozialistische Realismus getan hat: bis gestern, das heißt bis 1954, als das vielbesprochene Buch „Tauwetter“ von Ilja Ehrenburg erschien.

Automatische Regelung

In Ihrer Aufsatzfolge „Kampf gegen den Krebs“ finden sich diese außerordentlich wichtigen Sätze: In einem gesunden Körper stehen Gewebe und Organe in einem bestimmten Gleichgewicht; eine sorgfältig geregelte Zellteilung garantiert einwandfreies Funktionieren aller Organe, indem beschädigte oder verbrauchte Zellen durch neue, gesunde Zellen ersetzt werden.

Ein Laie wagt ein Wort

Wenn es schon keinen spezifischen Krebs-Test gibt, dann begrabe man um des hohen Zieles willen allen wissenschaftlichen Streit um Wert oder Unwert von Augendiagnose sowie Hand- und Nageldiagnostik.

ZEITMOSAIK

Ich bin jene Überheblichkeit leid, die immer nur kritisiert, immer nur schlecht macht, in einem Wort: den Nihilismus. Wo etwas verworfen werden muß, da soll es kurz und klar verworfen werden.

Dokumente eines Dichterlebens

Am 26. November jährt sich zum hundertsten Male der Todestag des Dichters Joseph Freiherr von Eichendorff. In seinem Werk gelang das scheinbare Paradoxon, daß romantisches Seelentum klassische Prägung erfuhr: daß eine geistige Provinz sich zu universaler Repräsentanz erhob.

Ein anderer König von Thule

Manchem mag es nicht viel ausmachen, jeden Tag um vier in der Frühe geweckt zu werden; für die meisten aber ist es, je länger, desto mehr, ein böses Leben, und der Ton der Weckuhr ist ihnen wie Geklirr von Sklavenketten.

Nr. 47 vom 20. November 1947: Es dürfte nicht sein ...

Es dürfte nicht sein, daß die Deutschen in den Zonen des viergeteilten Deutschlands sich auseinanderleben. Es dürfte nicht sein, daß heutzutage das natürliche Gefühl, in einem gemeinsamen Deutschland zu leben, durch eine Art von Zonenpatriotismus abgelöst wird.

Joseph von Eichendorff:: So oder so

Aus einer zum 100. Todestag herausgegebenen Gedichtauswahl die in einem geschmackvollen kleinen Reclambändchen gesammelt und mit einem Nachwort von Konrad Nußbächer versehen ist (Reclams Universal-Bibliothek Nr.

Junger Erdteil – altes Lied

Das ist ein Buch aus einem spröden Guß, aber aus einem einzigen. Von der harten Jugend eines Siedlerpaares im australischen Busch spannt sich der Bogen der Handlung über einen Alltag mit viel verdientem Unglück und ein wenig unerlaubtem Glück, über ein armes Leben, das in einen armen Tod mündet.

Freund AB-Merkur

Das ist nun wirklich unfair. Sie nennen mich einen von Ihnen geschätzten Autor, mit dem Sie ungern streiten. Und dabei stritte ich mich vielleicht gern mit Ihnen, obwohl ich noch immer nicht Sie zu kennen das Vergnügen habe.

Folter des Indizienbeweises

Als zu Beginn des Iller-Prozesses der Vorsitzende erklärte, das Gericht werde Rechtsfragen, nicht aber militärische oder politische Grenzfragen entscheiden, wehrte er mit Recht den Einfluß nicht justitieller Betrachtungsweisen auf die Urteilsfindung ab.

Zweierlei Tierliebe

Grob unterteilt, gibt es zwei Arten von Tierschriftstellern: Die einen kommen aus der Wissenschaft. Sie stellen in ihren Büchern die facts über alles, und ihre Liebe zu den Tieren ist verhalten und unaufdringlich.

Keine Mätzchen - nur Pferde

Hat der Schimmel Conde den Siebenjährigen Krieg gewonnen? – Bücher für Reiter und Nichtreiter

Picasso und die Brutalität der Welt

Paradoxerweise haben gerade in dem Zeitalter, als Spanien im Namen der Tradition „Revolution“ machte, drei, vier spanische Maler der Tradition am heftigsten ins Gesicht geschlagen und der zeitgenössischen Malerei den revolutionärsten Stoß gegeben: Picabia, Mirò und Dali – und Picasso.

Kains Kinder

Wenn man die Titel einiger bisher erschien nener Bücher von Heino Landrock liest – wie „Die Heidelandschaft“, „Hügel im Wind“, „Feuer auf Eichenloh“ – dann sieht man schon, in welche Richtung sich das Schaffen dieses Schriftstellers bewegt: es ist die Heimat, die ihm den Stoff bietet.

Die drei christlichen Zeitalter

In unserer Zeit regen sich in Reaktion gegen das starke Spezialistentum überall Kräfte, die die Beziehungen zwischen Geschichte und Kultur, Religion und Wirtschaft, Politik und Philosophie herausarbeiten.

Berlin: Keine Blumen für die Toten

All jährlich vor den Totengedenktagen im November fragen sich Tausende von Westberlinern besorgt, ob man ihnen den Besuch an den Gräbern ihrer Angehörigen gestatten wird.

Das Rollen-Rätsel

Man lehnt den Kopf an weißes Leinen, auf dem DB steht, man trinkt den Kaffee im Speisewagen und rührt ihn mit einem Löffel um, der den Namen des Eigentümers trägt.

Bremen: „Gemeinnützig“ – wem nützt das?

Der bremischen Opposition, der Deutschen Partei, ist es zuzuschreiben, daß die sieben Mitglieder des Bremer Staatsgerichtshofes demnächst eine sehr knifflige Frage anpacken müssen: sie sollen entscheiden, ob der Staat seiner (ihm von der Landesverfassung aufgetragenen) Pflicht nachgekommen ist, „das Fortbestehen und die Neubildung von übermäßig großem Grundbesitz zu verhindern“.

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