Wenn man die Titel einiger bisher erschien nener Bücher von Heino Landrock liest – wie "Die Heidelandschaft", "Hügel im Wind", "Feuer auf Eichenloh" – dann sieht man schon, in welche Richtung sich das Schaffen dieses Schriftstellers bewegt: es ist die Heimat, die ihm den Stoff bietet.

Nun liegt ein neues Buch vor:

Heino Landrode: "Abel hat keine Nachkommen." Becker Verlag, Uelzen; 286 S., 8,80 DM.

Der Schauplatz ist eine Behelfsheimsiedlung in der Nähe einer Erdölbohrstelle. Schon auf den ersten Seiten wird der Leser auf eine unaufdringliche Charakterisierungskunst von Mensch und Milieu aufmerksam. Die Gruppe der Erdölarbeiter hält eher Schicksalsgemeinschaft als Kameradschaft zusammen. Diese Menschen, die in primitiven Verhältnissen leben, bilden einen krassen Gegensatz zu den saturiert erscheinenden Bewohnern der Siedlung.

Bei den Menschen, die von ihren Trieben gehetzt werden, auf denen die dumpfe Einsamkeit ihrer kümmerlichen Existenz lastet, lag für den Autor eine Gefahr nahe: in zwar unpolitische, aber dennoch peinliche Blut- und Bodenliteratur zu geraten – besonders wenn man sich wie Landrock einer einfachen Ausdrucksweise befleißigt.

Dieser Gefahr ist der Verfasser ebensowenig wie der der Überzeichnung seiner Helden erlegen, die oft in Grenzsituationen von psychopathologischer Art geraten. Viel eher neigt er zu stilistischer Schönfärberei, indem er biblischen Wortfall aufnimmt. Wenn der Schluß des Romans auch nicht ganz befriedigt, weil er die einmal geknüpften Fäden nicht dramaturgisch vereinigt, und weil gerade hier die sonst sehr gepflegte Motivierung nachläßt, so tritt der Sinngehalt des Buches doch eindrucksvoll hervor: Wir alle sind Kinder Kains, weil sein Bruder Abel keine Nachkommen hatte. g. sp.