Es zahlt sich heute wieder aus, über Pferde zu schreiben. Für die Autoren verbindet sich in seltener Weise das Ideelle mit dem Nützlichen. Die in stürmischer Entwicklung einem neuen Gipfel zueilende Technisierung und Mechanisierung unseres Lebens hat, so scheint es, zu einer Renaissance der Natursehnsucht geführt. Die Tierliebe ist zum obligaten Attribut des Humanen geworden.

Es genügt nicht mehr, ein möglichst kostbares Auto zu haben. Ein Spaniel oder Pudel gehört hinein, wenn der Mercedes nicht als Etikettierung für den herzenskalten Geschäftsmann gelten soll, und Bildberichte oder Lebensbilder von Schriftstellern, Schauspielern, Politikern und Industriellen erscheinen leblos, wenn nicht Pferde, Hunde, Katzen oder wenigstens Rosen darin erscheinen. Daß das Pferd und die Reiterei wieder so populär geworden sind, ist jedoch sicherlich auch auf ein Element nationalen Stolzes zurückzuführen, hervorgerufen durch die überraschenden und über jedes Erwarten großen Nachkriegserfolge deutscher Pferde und Reiter in aller Welt – ganz abgesehen davon, daß es sehr oft auch deutsche Pferde waren, auf denen sich ausländische Reiter ihre Berühmtheit erritten.

Allerdings – und das sollte auch verständlicher Stolz nicht vergessen – ist es nur eine kleine Zahl von Pferden und Reitern, mit deren Namen sich diese Erfolge verbinden. Unter ihnen nimmt, neben dem Elmshorner Fritz Tiedemann, Hans Günter Winkler eine Sonderstellung ein. Er wurde mehrfach Weltmeister der Springreiter und "Sportler des Jahres". Er gewann das deutsche Springderby und schließlich, schwer verletzt und unter Morphium, die Goldmedaille für die deutsche Mannschaft und in der Einzelwertung der Olympischen Reiterspiele in Stockholm.

Wenn Winkler mehr im Mittelpunkt jugendlicher Idolatrie steht als Tiedemann, sein Elmshorner Konkurrent und Freund im Sattel, so verdankt er dies vielleicht nicht zuletzt dem ganz unwiderstehlichen, koketten Charme der Halla – jener Stute mysteriöser Abkunft, die den einzigen erkennbaren Schatten auf die unübertroffene Kennerschaft des Landstallmeisters Dr. Rau warf: Rau erkannte ihre außergewöhnlichen Qualitäten erst spät. Über dieses wirklich seltene Paar Halla – Winkler ergeht sich nun ein Jugendbuch von

Herbert Plate: "Reiten im roten Rock." Ensslin & Laiblin Verlag, Reutlingen. 172 S., 6,80 DM.

Es zeigt sich, daß Winkler mit seinen Biographen nicht ganz so viel Glück hat Wie mit seinen Pferden. Was berechtigt eigentlich einen Autor, Kinder und Jugendliche für so eine Art kleiner Idioten zu halten, denen man die einfachsten Dinge doppelt und dreifach sagen muß? Kann man eine sachlich interessante Geschichte wirklich nicht in die Öffentlichkeit schicken, ohne sie mit Binsenweisheiten, sentimentalen Betrachtungen ("Es ist etwas Wunderbares um die Geburt eines jungen Pferdes" – als wenn die Geburt einer Maus weniger wunderbar wäre) und pathetischem Humbug zu befrachten? In diesem Stil werden dem jungen Leser keinerlei aufeinander beziehbare Kenntnisse über Pferde vermittelt. Durch eine ganz überflüssige Idealisierung wird die unbefangene Einstellung zu der Leistung eines großen Reiters genommen.

Aber Plate steht hier nicht allein. Der unüberhörbar falsche Ton, der in der Pferdeliteratur seit Lehmann leider epidemisch geworden ist, schleicht sich selbst noch in die Feder eines so seriösen Autors wie